Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 1 (1.1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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s nach kurzer Zeit in vollen Widerspruch zu ihren früheren Angaben setzen in der begründeten Erwartung,' d^ass ihr Publicum sich der letzteren nicht mehr erinnere. Dann aber sollen Fälle von hoher Be- 'deutung, wie es der Fall Araten ist, immer wieder in Erinnerung gebracht werden. Ich denke an eine interessante Bemerkung in der Hagada. Es sprechen mehrere Gelehrte über den Auszug aus Egypten und einer sagt: man sollte im Grunde nie aufhören, darüber zureden. Auch über den Fall Araten sollte man nicht aufhören zu reden, bis das Recht zum Siege gebracht ist. . Ich entnehme den Fall Araten einem autoritativen Actenstück. Nachdem Ä r a t e n die Hilfe der Behörden vergeblich in Anspruch genommen hatte, wandte er sich an die Gnade Sr. Majestät. Ich nehme dieses Gesuch zur Grundlage meines Berichtes und werde nur von Zeit zu Zeit einige Ergänzungen aus anderen Berichten anfügen. Nach einer kurzen Einleitung, Welche* vom Schmerz des tiefbewegten Vaters, von der Klage des gebrochenen Mutterherzens spricht, beginnt Araten : „Meine unmündige Tochter Michalina, welche erst am w27. Mai 1900 das 14 Lebensjahr erreicht hat, wurde am 30. December 1899 aus dem Elterhhause in das hiesige (das Krakauer) Felicianerinnenkloster gelockt." Hier halten wir vor einer Frage. Araten erklärt, dass eine Wäscherin im Hause seine 13jährige Tochter verführt habe. Aber Michalina Araten ist die Tochter eines wohlhabenden Mannes und die Wäscherin zweifellos ein armes Weib. Es ist nicht sehr wahrscheinlichr dass sie auf das Kind so grossen Einfluss ausüben konnte. In der Nähe des Hauses Araten wohnte aber ein Officier, von welchem ein Briefchen an das 13-, sage dreizehnjährige Mädchen aufgefunden wurde. Es ist also wahrscheinlich, dass die Wäscherin eine Art von Zwischenträgerin abgegeben hat. Wir werden finden, dass auch in den anderen Fällen regelmässig eine Liebelei die erste Ursache ist, aus welcher das Mädchen aus dem Elternhause flieht, um dann in das Kloster gebracht zu werden. (Vorlesend): „Als ich, der Vater Israel Araten, ihren Aufenthaltsort erfuhr und mich am 31. December in das Kloster begab, versprach mir die Oberin, Schwester Marie R o s a 1 i e, meine Tochter vorzuführen. Als dieselbe zur Thüre gebracht wurde, vernahm ich ihr Schluchzen. Es war der letzte Laut, der aus dem Munde des geliebten Wesens an das väterliche Ohr drang. Ich hörte, dass sie in ein Nebenzimmer geführt wurde, und im Corridor erschien die Schwester mit der niederschmetternden Antwort: Kommen Sie nach 5 Tagen! Mein Kind war offenbar noch nicht' bekehrt. Ich wendete mich an die Polizeibehörde mit einer Eingabe, um meine Tochter sprechen zu dürfen. Inzwischen verfiel die Mutter ües Kindes in eine hitzige Krankheit, und beim Consiliuin der Aerzte erklärte Professor Parenski, dass es unbedingt nöthig sei, ihr ein Wiedersehen mit dem Kinde zu ermöglichen. Errichtete selbst ein diesbezügliches Schreiben an den Polizeidirector Herrn K orytkiewicz mit der Bitte, dass der Mutter gestattet werden möge, das Kind wenigstens auf eine Stunde zu sehen. Drei Hauseigentümer leisteten Bürgschaft, dass die Tochter nach einer Stunde des Wiedersehens mit der Mutter zur Polizei zurückgestellt werde. Die Bitte wurde abgeschlagen." Ich füge aus einem anderen Bericht hinzu, dass der Herr Polizeidirector seine abschlägige Antwort damit begründete, er sei nicht dazu da, jüdische Mädchen aus dem Kloster herauszunehmen.