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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-01-01 · 1 (1.1901) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
1 (1.1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 6 (sequence 11)
Language
German
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6 und waren ungeschwächt durch Kampfund Niederlage. Die clericalfeudale Herrschaft hat sich immer noch durch ihr Uebermass von Härte, Unduldsamkeit und Eigennutz verhasst gemacht. Empfindet erst wieder das Volk den Druck des ihm auferlegten Joches, die Schmach der Knechtschaft, in die man es fnit; gleissenden Versprechungen hineingeführt, dann wird der Tag der Abrechnung anbrechen. Aber diese Wendung muss von Innen herauskommen, sie kann nicht „gemacht" und vor allem nicht durch das Häuflein Juden herbeigeführt werden, das sich doch immer nur an eine grosse freiheitliche Partei anlehnen, nicht aber selbst eine politische Partei bilden kann. Nach einer solchen freiheitlichen Partei des Bürgerthums halten wir heute vergeblich Ausschau. Die alten politischen Parteien sind zertrümmert, an ihre Stelle sind zwei grosse nationale Parteien : die Deutschen und die Slavcn, und zwei Classen-Parteien : die organisierte Arbeiterschaft und die in der antisemitischen Partei organisierten Kleinbürger getreten. Mit den nationalen Parteien haben die Juden keine Berührungspunkte mehr, sie stehen uns im Gegentheile gehässig gegenüber. Selbst die Reste der Deutsch- Liberalen haben den facultativen Antisemitismus zugelassen. Der nationale Kampf ist nicht die erste Quelle der antisemitischen Bewegung, aber dessen fruchtbarster Nährboden. Wenn schon die „Raee* allein den Krieg entfachen soll, warum soll sich die Feindseligkeit von Deutschen und Czechen nicht auch gegen die ihnen beiden fremde „Race" der Juden richten? Unsere Glaubensgenossen haben also dem nationalen Gedanken fernzubleiben, 1. weil sie allein auf dem Staats-Standpunkte stehen, weil sie noch die einzige Bevölkerungsciasse sind, die ein Oesterreich unter allen Umständen wollen, und 2. weil sie durch ihre Parteinahme für Deutsche oder Slaven den Antisemitismus in der eigenen Partei nicht schwächen, wohl aber denselben in der gegnerischen Partei jedesmal verstärken. Diese Zurückhaltung muss solange geübt werden, bis nicht die nationalen Parteien durch den verstärkten Glassenkampf aufgelöst sind. v Aber auch diesen Glassenkampf können die Juden als Gesammtheit, als Partei, nicht mitmachen, weil ja ihre sociale Gliederung die gleiche ist, wie jene der christlichen Bevölkerung. Die jüdischen Kleinbürger können trotz des gemeinsamen Glasseninteresses mit den antisemitischen Kleinbürgern nicht gehen, weil letztere sie — derzeit wenigstens — nicht als Kampf-, als Standesgenossen anerkennen. Ebensowenig können die Juden als solche sich den Socialisten anschliessen, erstens weil sie von diesen abgelehnt werden und zweitens, weil sie in ihrer grossen Mehrheit keine Socialisten sind. So gelangen wir denn zu der Co n clusi on, dass die Juden unter den heutigen Verhältnissen am besten thun, sieh jeder offensiven Taktik, jedes demonstrativen Bekenntnisses zu diesem oder jenem Parteistandpunkte zu enthalten und sich lediglieh auf die Verteidigung ihrer staatsbürgerlichen Rechte, wie sie seit Jahren

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