Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 1 (1.1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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2 ganzen^Reiche ergriff, musste der Vorstand der „Oesterreichiseh- IsraelitFschen Union" darauf bedacht sein, für die Festigung des Judenthums nach Innen und seine Verteidigung nach Aussen weitere Grenzen zu ziehen. Je mehr sich die Reihen der Gegner aneinanderschlossen, umso unabweislicher und dringender wurde auch die Zusammenfassung aller verfügbaren Kräfte der österreichischen Judenschaft, umso nothwendiger erschien eine einheitliche Organisation allerjGlaubensgenossen zum Schutze unserer staatsbürgerlichen Rechte, zur Abwehr von Unrecht und Willkür Schimpf und Verleumdung. Das war der leitende Gedanke, der vor drei Jahren zur Lirrichtung des Rechtsschutz- und Abwehrbureaus führte. Dieses Bureau ist allgemach zu einer Gentralstelle für die Wahrung der politischen Rechte und der wirtschaftlichen Interessen unserer Glaubensbrüder in ganz Gisleithanien, zum unausgesetzt wachsamen I [üter der persönlichen Ehre jedes einzelnen Juden, mag er auch im verlorensten Dorfe Galiziens ein obscures Dasein führen, geworden. Aber der Vorstand war und ist sich bewusst, dass er damit nur erst halbe Arbeit geleistet hat. So erspriesslich auch das Rechtsschutzbureau wirkte, durchgreifende und dauernde Erfolge sind nur zu erzielen, wenn der namenlosen Zersplitterung und Zerfahrenheit, die das charakteristische Merkmal der österreichischen Judenschaft bildet, wenn dem Indifferentismus im eigenen Lager, der unsere Stoss- und Widerstandskraft lähmt, ein Damm gesetzt wird. Angesichts der ungeheuren und noch unausgeselzt wachsenden Bedrängnis unserer Glaubensgemeinschaft, angesichts der Verkümmerung unserer bürgerlichen Rechte, angesichts der mannigfachen Ungesetzlichkeiten, die wir erdulden müssen, angesichts des grauenvollen Elends, unter welchem Hunderttausende unserer galizischen Glaubensgenossen seufzen, geht es nicht länger an. eine Besserung unserer Lage durch ein Wunder von Oben zu erhoffen. Das Gottvertrauen ist eine schöne Sache, aber es erweist nur dann seine rettende Kraft, wenn man sich an den Spruch hält: „Hilf dir selbst und Gott wird dir helfen!" Nicht früher wird unser Schicksal sich wenden, als bis jeder einzelne Jude, ob hoch oder niedrig, ob reich oder arm, voll und ganz seine Pflicht thut und sich als Glied einer einzigen grossen Kampfgenossenschaft fühlt, bis alle Kräfte zusammenfliessen und alle politischen, caritativen und socialen Bestrebungen aus einem einheitlichen Gesichtspunkte einem einheitlichen Zwecke zugeführt werden. Die Behauptung von der Solidarität der Juden ist wenigstens in Ansehung der österreichischen Juden — eine grosse Lüge. Machen wir sie doch zur Wahrheit! Schaffen wir doch endlich eine grosse Defensiv-Organisation, in der jeder persönliche Ehrgeiz, jedes individuelle Bestreben sichbethätigt und Befriedigung findet in der freudigen Arbeit Eines für Alle und Aller für Einen! Rechtsschutz, Wohlthätigkeit, ^Abwehr, Hebung des sittlichen, geistigen und wirtschaftlichen Niveaus unserer östlichen Glaubens-