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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-01-01 · 1 (1.1901) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
1 (1.1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 3 (sequence 8)
Language
German
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3 brüder — das Alles sind Thätigkeiten, die nicht von einander getrennt werden können. Ihr Zusammenhang wird auch dem kurzsichtigsten Auge sofort klar, wenn wir hervorheben, dass j e der galiz is che Jude, der aus Mangel an Erwerb seine Heimat verlässt, um hier der öffentlichen Mildthätigkeit zur Last zu fallen, einen neuen Anreiz für den Judenhass bildet. Es hiess daher den Antisemitismus praktisch bekämpfen, als die „Oesterreichisch- Israelitische Union" die erste Anregung gab, die galizischen Juden aus dem Handel, der sie nicht mehr ernährt, in die manuelle Lohnarbeit hinüberzuführen. Ungezählte Summen werden heute von den verschiedensten Humanitätsvereinen nur zur vorübergehenden und vereinzelten Hilfeleistung aufgewendet. Würden sie unter einer einheitlichen Directive zu productiven Zwecken vereinigt, so liesse sich damit Grosses vollbringen. Spät genug ist der Gedanke der Concentration in die österreichische Judenschaft getragen worden — aber es ist nie z ra spät, an die Verwirklichung einer als gesund erkannten Idee zu schreiten. Die Grundlage dieser Concentration muss das Princip der selbstthätigen Energie jedes einzelnen Gliedes der grossen Glaubensgemeinschaft sein. Mit der platonischen Sympathie für unsere Bestrebungen ist uns nicht gedient. Wir brauchen jeden einzelnen Mann! Der „Gentraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen GlaubensÄ in Berlin, der die gleichen Ziele des Rechtsschutzes und der Abwehr verfolgt, wie die ,Oesterreichisch-Israelitische Union", zählt mehr als 30.000 Mitglieder in ganz Deutschland. Man nenne uns die österreichischjüdische Corporation, die auch nur über den zehnten Theil dieser Macht verfügt. Auf das Gewicht der Thatsache, dass Zehntausende und Aberzehntausende österreichischer Juden kampfentschlossen hinter uns stehen und einer einheitlichen Parole folgen, können wir nicht verzichten. Kostbare Rechte sind auf dem Papiere geblieben, weil der gemeinsame Wille und die Unterweisung zu ihrem Gebrauche bisher gefehlt haben. Wohlan denn, lernen wir sie gebrauchen! Unser Rüstzeug ist nicht so armselig, als man nach der Schwäche, die wir bekundeten, vielfach anzunehmen geneigt ist. Noch haben wir das Recht der freien Meinungsäusserung im Wege der Presse, noch haben wir das Vereins- und Versammlungsrecht, das Beschwerderecht gegenüber den Behörden, das Klagerecht vor den Gerichten und — last not least — die parlamentarische Tribüne. Die. „Oesterreichisch-Israelitische Union" ruft alle Glaubensgenossen des weiten Reiches auf, in jedem einzelnen Falle der Gesetzwidrigkeit, Willkür und Bosheit diese Waffen zur Anwendung zu bringen. Man dulde keinen Schimpf, man ertrage kein Unrecht demüthig und kraftlos, und die guten Folgen werden sich sehr bald zeigen. Wir werden unsere Gegner nicht zur Liebe zwingen können, aber Achtung werden wir uns verschaffen und das Wort „Jude" wird aufhören, der Inbegriff aller Mattherzigkeit zu sein. So werden wir unser Eigenbewusst-

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