Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 105 (5.1898)
- Date
- 1898-05-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. Nr. 105. tag zurück, in zwei Fällen überreichte unser Präsidium Beschwerden bei den Ministern des Innern und des Unterrichtes, in zwei Fällen wendeten wir uns mit Petitionen an das Abgeordnetenhaus des Eeiohtsrath.es, in zwei Fällen erfolgte auf Wunsch der Betheiligten die Abwehr blos in der „Oesterreichischen Wochenschrift". Die restlichen 17 Interventionen ergaben blos Material für künftige Actionen. Von dem technischen Umfange unserer Wirksamkeit mag die Thatsache einen Begriff geben, dass unser Bureau vom 15. December bis heute mehr als 400 Geschäftsstücke erledigt hat. Unmittelbar nach der Schaffung der neuen Institution war unsere Aufmerksamkeit durch die Prager Excesse und die traurigen wirthschaftlichen Schäden, von welchen dieselben für so viele unserer Glaubensgenossen begleitet waren, in Anspruch genommen. Am 6. Jänner d. J. überreichten die Herren Präsident Wilhelm Anninger und Vicepräsident Sigmund Mayer dem Herrn Ministerpräsidenten Freiherrn v. Gautsch als Minister des Innern ein ausführliches Memorandum über die Ursachen der Prager Excesse. Dass diese Ursachen in der erwähnten Eingabe richtig gekennzeichnet waren, bewies die wenige Wochen später verfügte Auflösung eines der grössten czechischantisemitischen Vereine mit seinen sieben Zweigvereinen. In diesem Zusammenhange muss auch jener Erlässe der böhmischen Statthalterei an die Beamten und Mittelschal-Professoren und des böhmischen Landesschulrathes an die Schulleitungen gedacht werden, in welchen die Theilnahme an antisemitischen Vereinigungen untersagt wurde. Aber nicht nur die allgemeine politische, sondern auch die ökonomische Seite der Prager Excesse hat Ihr Präsidium in den Kreis seiner Erwägungen gezogen. Am 1. April d. J. unterbreitete Hofrath Kar eis dem Abgeordnetenhause eine Petition der „Oesterr.-isr. Union", in welcher die eingehend begründete Bitte gestellt wird, das Abgeordnetenhaus möge aus eigener Initiative ein Gesetz beschliessen, welches den Staat, resp. die Gemeinden für alle durch öffentliche Unruhen verursachte Verletzungen und Schäden haftpflichtig erklärt. Auch die am 11. und 13. März stattgefundenen Judenkrawalle inWieliczka haben wir genau auf ihre Ursachen erforscht und hiebei erhoben, dass die Erregung der christlichen Bevölkerung gegen unsere Glaubensgenossen in den politischen Bezirken Krakau und Podgorze auf die massenhafte Verbreitung der Hetzschrift: „Die Geheimnisse der Juden" zurückzuführen sei, welche von dem Eeligionslehrer des Staatsgymnasiums zu St. Anna in Krakau verfasst und sowohl in den dortigen Schulen als auch unter der Landbevölkerung der Umgebung in Tausenden von Exemplaren auch von anderen Eeligionslehrern colportirt wurde. Wir haben uns diese Thatsache durch die Unterschrift zahlreicher achtbarer Bürger von Podgorze, Wieliczka, Klasno