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Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1898-05-01 · 105 (5.1898) · p. Seite 7

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Journal
Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
10 (1898)
Issue
105 (5.1898)
Date
1898-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 105. Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. 7 und Dobozyoe bestätigen lassen und unter Beilage dieser Declaration sowie der mittlerweile in zweiter Auflage conflsoirten Hetzschrift dem Unterrichtsministerium eine Beschwerde über die von staatlich angestellten Lehrpersonen geübte Vergiftung der Kindesseele überreicht. Die Unterrichtsverwaltung hat denn auch eine strenge Untersuchung der berührten Vorgänge angeordnet, deren Ergebnisse abgewartet werden müssen. Am 19. Jänner d. J. that der Abgeordnete Gregorig im niederösterreichischen Landtage seine bekannte Aeusserung über unsittliche Angriffe jüdischer Chefs auf weibliche Angestellte christlicher Confession und berief sich dabei auf eine vom Berliner „Hilfsverein für weibliche Angestellte" angeblich gegen jüdische Chefs und Betriebsleiter gerichtete Action. Wir haben uns an den Urheber dieser Action, Rechtsanwalt Dr. Bieber in Berlin, gewendet und von demselben ein Schreiben erhalten, in welchem jeder einseitig confessionelle Charakter der erwähnten Action in Abrede gestellt und über die Verlogenheit der Antisemiten die vollste Entrüstung ausgesprochen wurde. Auf Grund dieses Schreibens haben wir in einer vom Herrn Regierungsrath Kick überreichten Petition an den Landtag gegen die verläumderischen Aeusserungen des Abgeordneten G r e g o ri g protestirt und über die Zulassung derselben seitens des Landmarschalls unser Bedauern ausgedrückt. Auch zu dem Beschlüsse des niederösterreichischen Landtages, dass die Pfarrer künftighin Sitz und Stimme im Ortsschulrathe haben sollen, haben wir Stellung genommen und gegen diese Durchbrechung des Principes der Gleichberechtigung eine Action an competenter Stelle angeregt. Der am 24. März im Abgeordnetenhause eingebrachte Antrag des Abgeordneten Schlesinger, mit welchem die Regierung aufgefordert wurde, statistische Erhebungen über die wirthschaftlichen Verhältnisse der Juden einzuleiten, gab uns Veranlassung, in einer vom Abgeordneten Dr. Kronawetter überreichten Petition an das Abgeordnetenhaus um Annahme dieses Antrages. Wir wollen damit den Beweis erbringen, dass das Judenthum derartige Erhebungen nicht nur nicht zu scheuen hat, sondern in denselben das geeignetste Mittel erblickt, um der ungerechten Beurtheilung der wirthschaftlichen Lage der Staatsbürger jüdischen Glaubens zu begegnen. Allerdings dürfen solche statistische Feststellungen nicht einseitiger und tendenziöser Natur sein und wir haben deshalb in der erwähnten Petition um Ergänzung der vom Abgeordneten Schlesinger vorgeschlagenen Fragestellung in dem Sinne gebeten, dass nicht nur der absolute Antheil der Juden am Grundbesitz, Steuerleistung, Berufszugehörigkeit und Criminalität, sondern auch der relative Antheil derselben im Hinblicke auf das Verhältniss der jüdischen zur christlichen Bevölkerung erhoben wurde.

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