Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 104 (4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Mitteilungen der Ossterr.-Israel. Union. Nr. 104. zufallen, sobald er in Jenen, zu deren Führung er bei richtiger Erkenntniss der österreichischen Staatsindividualitäten berufen ist, stets die Ueberzeugung wachzuhalten weiss, dass er als kundiger und wohlmeinender Führer nicht blos seine, sondern auch ihre Interessen zu fördern geneigt und geeignet ist. Gewaltsam beherrschen kann man selbst Widerwillige, führen aber nur Jene, denen man Vertrauen einflösst und die willig folgen. Die Männer, welche die Bildung der Volkspartei sich zur Aufgabe machen, sehen es als einen Act der Billigkeit an, wenn man in Oesterreich dem Gebrauche der nationalen Idiome keine anderen Schranken zieht, als diejenigen, welche durch die unabweislichen Anforderungen des öffentlichen Unterrichtes in der Schule und durch die Postulate des öffentlichen Dienstes im Amte gezogen sind. Um einer Vergewaltigung der Deutschen und des deutschen Idiomes wirksam zu begegnen, haben wir in unser Programm als eines der wichtigsten Punkte die Erlangung des Sprachengesetzes aufgenommen." Also damals wurde schon von Fischhof die Erlassung eines Sprachengesetzes verlangt, welches die im Artikel XIX. der Verfassung allen Idiomen zugestandenen Rechte genau präcisirt, sie vor administrativer Willkür schützt und in sprachlich gemischten Ländern jeder Vergewaltigung der nationalen Minoritäten durch die Majorität vorbeugen soll. „Wir schlagen zu diesem Zwecke u. A. vor, dass in allen provinziellen Vertretungskörpern gemischter Nationalität bei Entscheidungen über sprachliche Angelegenheiten curiatim abgestimmt werden soll. Wenn es gelingt, die politische Atmospäre von den Miasmen des Sprachenhaders zu befreien, wirken wir auf die Gesundung unseres öffentlichen Lebens hin, das im Siechthum jetzt zu verfallen droht." Das wurde im Jahre 1882 geschrieben. Ich glaube, wir sind nicht mehr weit weg von diesem Siechthum, ja ich glaube sogar, wir stecken mitten drin. „Tndem der Keil hin weggeschafft wird, welcher bis jetzt die demokratischen Elemente der verschiedenen Volksstämme auseinanderhält, erlangen die Deutschliberalen, die jetzt in der Minorität sich ohnmächtig abmühen, jenen Succurs, durch den allein sie dauernde Erfolge erzielen und dem Constitutionalismus eine breite Basis zu geben im Stande sind." Und nun kommen goldene Worte. „Um kleine nationale Erfolge zu erzielen, müssen sie — die Slaven — unverhältnissmässig grosse Opfer bringen. Für Pfennige fordert die ultramontane Fraction ihnen das Gold ab, welches sich die Nationen aus dem tiefen Schachte der Volksbildung holen wollen." Damit die Deutschen wieder die Majorität erlangen, empfiehlt er eingehend „ein Bündniss mit den nichtdeutschen