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Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1898-04-01 · 104 (4.1898) · p. Seite 15

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Journal
Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
10 (1898)
Issue
104 (4.1898)
Date
1898-04-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 104. Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. 15 Liberalen", was wieder voraussetzt, dass man sich mit ihnen in nationalen Fragen verständigt. Sie wissen, dass der Versuch, die deutsche Volkspartei ins Leben zu rufen, gescheitert ist. Es haben an diesem Versuche Männer mitgearbeitet, welche der demokratischen und theilweise auch der liberalen Partei angehört haben. Ich erwähne Hertzka, Dr. Edmund Singer, Waldstein, Kreuzig, den Obmann des demokratischen Vereines im VII. Bezirk, welcher damals den Vorsitz führte, Bürgermeister Newald, und den jetzigen Bürgermeister Dr. Carl Lueger, damals noch Demokrat und im Hause Hertzka's und Fischhof's eine ausserordentlich gerne gesehene Persönlichkeit. Es wären noch andere Männer zu nennen, ich muss aber offen sagen, dass die deutsche Volkspartei gerade bei den Israeliten keine Aufmunterung gefunden hat und dass wir von dieser Seite geradezu auf das Heftigste angegriffen worden sind. Ob sie daran gut gethan haben oder nicht, können Sie heute im Jahre 1898 beurtheilen. Ich glaube, Sie werden heute anders denken, als im Jahre 1882. Fischhof war über den Widerstand, den ihm freisinnige Kreise entgegenbrachten, sehr degoutirt, und er sowohl als Walterskirchen haben sich dann vom öffentlichen Leben fast ganz zurückgezogen. Er wirkte nur noch auf publicistischem Gebiete. Im Jahre 1885 schrieb er z. B. sein Buch: „Die Sprachenrechte in den Staaten gemischter Nationalitäten", in welchem er beweist, dass die Sprachenfrage dort, wo die Nationen freiheitliche Bestrebungen hegen und wo sich nicht Reactionäre der Sache bemächtigten und insbesondere wo das allgemeine Stimmrecht die Gesammtheit der Bevölkerung zur Gesetzgebung beruft, sich viel leichter lösen lässt und auch gelöst wurde. Er verweist auf Belgien, Canada und die Schweiz. Darum wollten Fischhof und Walterskirchen, dass mit der ganzen Privilegienwirthschaft in der Verfassung und Verwaltung aufgeräumt werde, und dass das allgemeine, gleiche und directe Wahlrecht allein unsere Vertretungskörper bestimme; diese Idee hat später auch Taaffe gehabt, er wollte das allgemeine Stimmrecht einführen, allerdings nur unter Aufrechterhaltung der Grossgrundbesitzer-Curie, die er nicht beseitigen konnte, weil er dazu nicht die Zweidrittel-Majorität hatte. Sie haben gesehen, dass, als die So cialisten in den Reichsrath -eingetreten sind und die Czechen mit ihrem Staatsrecht wieder angefangen haben, sofort einer der Socialisten aufstand, ein Czeche, der in böhmischer Sprache sagte, class seine Parteigenossen auf das Staatsrecht pfeifen und dass sie viel wichtigere Dinge im Auge haben. Dem Frieden und der Versöhnung am zugänglichsten sind die enterbten, ihr Leben in Noth, Kummer und Elend verbringenden Volksschichten. Wenn diese entsprechend geleitet würden von Männern, welche aus den nationalen Streitigkeiten kein Geschäft machen, sondern denen das Wohl des Ganzen aufrichtig am

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