Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 104 (4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 104. Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. LS Am 16. Juli 188k2 berief das Actions-Comite der Deutschen Volkspartei eine allgemeine Wahl er Versammlung in den Musikvereinssaal ein, in welcher das von Fischhof ausgearbeitete Programm vorgetragen worden ist. In demselben heisst es wörtlich — und es sind das geradezu prophetische Aussprüche: „Die Zukunft gehört in Oesterreich unserer Partei", d. h. einer Partei, die auf durch und durch demokratischer Grundlage sich organisirt und in Verfassungs- und Verwaltungsfragen auf freiheitlich er (Grundlage beruht. Damals war das Kleinbürgerthum und zum Theile der kleine Bauer, noch durch und durch demokratisch gesinnt. Die Reactionären haben aber damals schon ihre Angel nach diesen ausgeworfen, wobei sie als Lockspeise ihnen die Errettung aus der wirtschaftlichen ISFoth vorspiegelten. Wäre es damals gelungen, wie Fischhof und Walterskirchen es wollten, diese Partei zu organisiren, hätte man die nothwendige Unterztützung an unserer grösseren Bourgeoisie gefunden, wäre diese nicht gar so verblendet gewesen (Sehr richtig!), so würden wir heute — denke ich — in einer ganz anderen Lage sein. Fischhof sagte damals, die Zukunft in Oesterreich gehört entweder unserer Partei oder sie gehört dem Absolutismus. Das ist keine Phrase. Im Jahre 1882 hätte man das vielleicht als Phrase auffassen können, aber ich glaube heute, im Jahre 1898, wird man darin keine Phrase erblicken; denn der Absolutismus ist eigentlich schon da. Die nationalen Wirren haben einen solchen Umfang angenommen, dass jetzt schon absolutistisch regiert wird und — man muss es olfen sagen — beinahe auch gar nicht anders regiert werden kann als durch den Artikel 14. Und wenn der Reichsrath nicht mitwirkt, bleibt nichts anderes übrig, als absolut zu regieren. Es ist daher keine Phrase, wenn Fischhof damals sagte, das die Zukunft entweder unserer Partei oder dem Absolutismus gehört. Er sagt dann weiters, wenn eine Versöhnung mit den anderssprachigen Nationalitäten unmöglich wäre, dann bliebe nichts anderes übrig als der Bürgerkrieg und schliesslich die Unterjochung aller unter einen einzigen unbeugsamen Willen. „Ein Staat, aus welchem der innere Frieden zwischen den einzelnen Theilen seiner Bevölkerung verbannt ist, könne kein Asyl für die Freiheit sein." Heute sind wir nur Zeugen eines publicistischen Bürgerkrieges und des parlamentarischen Racenkampfes, heute ist es nur das vergiftete Wort, das man in Schrift und Rede einander entgegenschleudert. AVenn aber bei Fortdauer und Verschärfung der nationalen Gegensätze dereinst in Tagen schwerer innerer Krisen oder einer von Aussen hereinbrechenden Gewalt die Staatsgewalt nicht mehr Halt gebietend zwischen die Kämpfer zu treten vermag, dann sind es die tödtlichen Geschosse, die man einander entgegenschleudert und mit denen mau auch den Staat im innersten Kern seines Daseins treffen wird. Dem Deutschen wird die politische Führerrolle