Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 104 (4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9607226-9602073-9602133--107-9602145- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12 Mittheilungen der Oesterr.-lsrael. Union. Nr. 104. So wurde auch Dr. Herbst eingeladen, den Conferenzen beizutreten und seinen Einfluss aufzubieten, dass eine Versöhnung mit den Ozechen zustande komme. Nun hat es sich damals ereignet, dass in Prag aus Gemeindemitteln eine Brücke gebaut wurde. Die einen verlangten nun, dass diese Brücke „Kronprinz Rudolfs-Brücke" heissen solle, die Anderen, dass sie „Palacky- Brüoke" genannt werde. Da soll nun Herbst geschrieben haben, die Deutschen könnten mit einem Volke, welches sich weigere, eine neugebaute Brücke mit dem erlauchten Namen des Thronfolgers zu zieren, einen Ausgleich nicht schliessen. Es kann wohl keinen kleinlicheren Standpunkt in einer so hochwichtigen Lebensfrage der Monarchie geben. Es kam dann Taaffe und mit ihm der Versuch einer rücksichtslosen Reaction. Die Emmersdorfer Conferenzen hatten zu keinem Resultat geführt und die feudal-clericale Reaction glaubte schon Triumphe zu feiern, als Taaffe sein Regime antrat. Im Jahre 1880 hat bekanntlich Liechtenstein mit der Uhr in der Hand im Abgeordnetenhause frohlockend gesagt, er könne schon warten, bis die Zeit kommt, wo das Schulgesetz vom Jahre 1869 umgebracht und die confessionelle Schule wieder eingeführt wird. Das hat nun Fischhof zu dem Versuche bewogen, eine energische A c t i o n zur Vereinigung aller w i r klich freiheitlichen Elemente aller Nationen zu einer grossen P a r t e i e i n z u 1 e i t e n, welche die Deutsche Volkspartei genannt wurde. Er und einer der vornehmsten Männer, die mir in meiner ganzen politischen Laufbahn begegnet sind, der mir immer unvergessliche Robert von W a 11 e r s k i r c h e n, hatten sich die Aufgabe gestellt, diese Deutsche Volkspartei mit dem ausgesprochenen Zwecke zu verbinderj : 1. Die österreichische Verfassung auf eine demokratische Grundlage zu stellen, und 2. ein Nationalitätengesetz zu schaffen, welches den Ansprüchen der einzelnen Nationen Rechnung trägt und den Hader beseitigt. Im Jahre 1882 wurde das von Fischhof und Walterskirchen ausgearbeitete Programm veröffentlicht. Dasselbe enthielt folgende Punkte: Bestimmung des Wirkungskreises der deutschen Sprache als Staatssprache, als gemeinsames Verkehrsmittel zwischen den Behörden; allgemeines Stimmrecht und Beseitigung jeder Literessenvertretung; Wahrung der deutschen Nationalität unter gleichzeitiger Anerkennimg der berechtigten Ansprüche der anderen Nationalitäten in Schule und Amt; freies Vereins- und Versammlungsrecht, Pressfreiheit.