Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 104 (4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 104. Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. 11 gesetzten Rüstungen nach und nach zu einer allseitigen Erschöpfung der Kräfte führen müssen. Wenn man die wirtschaftlichen Kräfte zu unproductiven Auslagen verwendet, so haben vielleicht in dem Augenblicke, wo diese unproductiven Auslagen geschehen, einzelne Interessengruppe!], die dadurch Beschäftigung finden, einen momentanen Vorteil, aber die gesammte Bevölkerung, welche diese Auslagen mit ihrer wirtschaftlichen Kraft aufbringen muss, hat einen entschiedenen Nachtheil davon. Das ist nun einmal ein wirtschaftliches Gesetz,-von dem es keine Ausnahme gibt. Eine jede Ausgabe in der Wirtschaft muss der Wirtschaft, aus der sie genommen wird, einen entsprechenden Vorth eil bringen; geschieht dies nicht, so müssen diese fortgesetzten Ausgaben endlich zum Ruin führen. Und diesem Schicksal sind alle diejenigen Staaten ausgesetzt, welche nach und nach ihrem Militarismus eine Ausdehnung geben, die ihre wirtschaftlichen Kräfte übersteigt. Fischhof hat nun in dieser Beziehung Vorschläge gemacht. Er wolle interparlamentarische Conferenzen einberufen, welche eine schrankenlose Concurrenz auf diesem Gebiete verhindern sollten, so dass nicht der eine Staat mit dem andern wetteifern dürfe, wer mehr Kanonen, mehr Schiffe und mehr Soldaten hat. Er wollte durch die internationalen Conferenzen den Völkern den Beweis erbringen, dass es nicht in ihrem Interesse liegt, einander zu bekriegen und umzubringen. Denn die Parlamente haben ja selten miteinander Krieg geführt, die Kriege führen' nur die Könige. Die interparlamentarischen Conferenzen sollten im Verhältniss der Bevölkerungsziffer und des Reichtums gegenseitig feststellen, wie stark die Heeresmacht eines jeden Staates sein soll. Im Jahre 1879 kam die Annexion Bosniens und damit wieder eine unvermeidliche, wenn auch in einer etwas ferneren Zukunft liegende, wesentliche Stärkung des slavischen Elements in Oesterreich. Dies war für Fischhof ein Grund mehr, ein Einvernehmen zwischen den Deutschen und den. Slaven herbeizuführen. Er hat jene bekannten Conferenzen im Verein mit Etienne in Emmersdorf abgehalten zu dem Zwecke, um auf friedlichem Wege ein Nationalitätengesetz zu vereinbaren, welches alle Theile befriedigt. Es sind dort auch die Grundlagen für ein solches Gesetz ausgearbeitet worden, darunter das Curiatvotum ferner die Bestimmimg, dass überall, wo mindestens fünf Percent der Bevölkerung anderer Nationalität sind, Translatoren bei den Behörden angestellt werden sollen etc. Ich will darauf nicht näher eingehen, es würde viel zu weit führen, aber charakteristisch ist es, aus welch kleinlichen Motiven — wenn das die wirklichen Motive waren — mitunter Männer, welche eine führende Stellung unter den Deutschen innehatten, es abgelehnt haben, sich überhaupt weiter an dieser Sache zu betheiligen.