Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 104 (4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9607226-9602073-9602133--102-9602140- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kr. 104. Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. 7 Interessen der Staatsschulden bezahlen wird, wenn die Ungarn sagen, dass das sie nichts angehe, nachdem sie bei Eingehung der Schulden nicht gefragt wurden. Unger hat sich bald wieder zurückgezogen und laudabiliter widerrufen, was er früher ausgesprochen. Fischhof aber blieb dabei. Im Jahre 1866 war Oesterreich bekanntlich in einer ausserordentlich traurigen Lage. Fischhof hat damals eine Broschüre veröffentlicht, worin er zu neuen Hoffnungen anregte, die Broschüre: „Ein Blick auf Oesterreichs Lage." Hier führt er aus: Wenn Oesterreich sich einmal von seinem Bestreben, die Vorherrschaft in Deutschland zu erlangen, losgemacht haben wird, wenn es sich von den Einmischungen in die italienischen Angelegenheiten fernehält und sich mit sich selbst beschäftigt, und wenn das auf freiheitlicher Grundlage geschieht, wenn insbesondere die verschiedenen ruhigeren und besseren Elemente der verschiedenen Nationalitäten sich zusammenfinden, um darüber zu berathen, wie sie die nationale Frage lösen können, dann ist gar nichts verloren, dann wird Oesterreich neu aufblühen. Belcredi wollte bei dieser Gelegenheit Fischhof zu einer Candidatur in den Reichsrath veranlassen, damit er dort in diesem Sinne versöhnend und calmirend wirken solle, weil ja die nationalen Streitigkeiten vom Jahre 1861, von der Schmerling'schen Verfassung an, immer fortdauerten. Fischhof machte aber Belcredi aufmerksam, dass er weder das active noch passive Wahlrecht in den Reichsrath habe, weil die Makel der Freisprechung ab instantia ihm noch immer anhafteten. Belcredi erwiderte, das mache gar nichts, in zwei Tagen sei dieser Makel ausgelöscht. Er werde ihm eine Cabinetsordre bringen, durch die ihm Alles nachgesehen und verziehen wird. Fischhof aber protestirte auf das Allerentschiedenste dagegen, dass für ihn eine Ausnahme gemacht werde. Die ihm trotzdem zugekommene Amnestie hat er dem Minister Belcredi zurückgewiesen. Diese That soll wesentlich dazu beigetragen haben, dass das Gesetz vom November 1867 erschien, welches bekanntlich die Rechtsfolgen für politische Delicte gänzlich aufhebt und auch für gemeine Delicte nach einer grösseren oder geringeren Zeit, je nach der Schwere des Delictes, eine Verjährung der Rechtsfolgen eintreten lässt. Sie sehen, wie Fischhof auch auf diesem Gebiete seine freiheitlichen Anschauungen nicht blos ausgesprochen, sondern, wenn es sich darum gehandelt hat, auch nicht einen Augenblick gezögert hat, sie zu bethätigen. Im Jahre 1867 aber hat Fischhof, nachdem die December-Verfassung erlassen war und die nationalen Streitigkeiten, besonders in den Landtagen und im Reichsrathe, sich von Tag zu Tag erbitterter gestalteten, bereits den Entwurf eines Sprachengesetzes ausgearbeitet, welches er allen Abgeordneten mit der Bitte zuschickte, sie mögen einträchtig zusammenwirken, wie im Jahre 1848 im Verfassungsausschusse, um endlich diese schwere Klippe, an der bisher jede