Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 103 (4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 103. Mittheilungen der Oesterr.-lsrael. Union.!) Ich möchte hier auch noch einer beraerkenswerthen Erscheinung Erwähnung thun — nämlich bedeutungsvoller Sympathiekundgebungen für unsern Stamm, mehrere. Jahre noch vor dem Anbruch des Freiheitsjahres 1848. Ich hatte schon im Kalender der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" vom Jahre 1894/95 ein interessantes Begebniss mitgetheilt. Gegen Ende des Jahres 1836 trat ein Kreis von namhaften christlichen Theologen, nämlich katholischen und protestantischen Bekenntnisses, in Verbindung mit jüdischen Gelehrten zusammen, mit dem Plane, um ein für alle drei Religionen gemeinschaftliches religionswissenschaftüches Organ zu gründen, um trotz der religiösen Verschiedenheit unter den Bekennen! der drei verschiedenen Culte einen friedlichen Lebensverkehr anzubahnen. Am 1. Jänner 1837 begann das Blatt zu erscheinen, und einer der ersten Abonnenten war Otto I., der hochgebildete damalige König von Griechenland, indem er zugleich in einem allerhöchsten Handschreiben der edlen Tendenz des Blattes seine volle Anerkennung aussprach, und des Königs Schwiegervater, der Grossherzog von Oldenburg, folgte ihm hierin nach. Einer ganz besonders tiefgehenden Sympathie hatte sich das Judenthum seitens eines "Weltdichters von unsterblichem Namen zu erfreuen. Der drittgrösste Dichter Englands, Lord Byron, hatte mit unserem Salomon Löwisohn in Ansehung der kurzen Lebensdauer ein gleiches Geschick. Geboren ein Jahr vor ihm, 1788, starb er zwei Jahre nach Löwisohn, 1824. In seinen „Gesprächen mit Mendwin" erzählt er, dass er sich lange mit dem Gedanken getragen, einen Hiob zu schreiben, allein er fand das Original zu erhaben, keine Poesie könne sich damit vergleichen. Das tragische Geschick des jüdischen Stammes griff dem bewunderten Dichter tief ins Herz, und diesen Gefühlen gab er erschütternden Ausdruck in seinen Hebrew Melodien. Man glaubt, den grossen biblischen Propheten auf den Trümmern Jerusalems in diesen Liedern klagen zu hören: „Wo wäscht sein triefend Blnt sich Juda von den Wanderfüssen? O Zion, sag, wann wird dein heilig Lied uns wieder grüssen? Und deine Stämme mit dem Wanderstabe — ach, die müden, Wann finden endlich wieder sie ihr Heim im gold'nen Süden? Die Taube hat ihr Nest, der Fuchs die Kluft, Der Mensch die Heimat, Juda nur die Gruft." Wir lassen endlich noch eine Reminiscenz hier an uns vorüberziehen, eine Begebenheit, die, so traurig, ja so entsetzlich sie begonnen, doch zuletzt zu einer grossartigen Sympathiekundgebung fürs Judenthum sich gestaltete — gleich den Samenkörnern, die zuerst im finstem Erdenschosse verwesen und zuletzt in grünen Halmen augenerfreuend emporwachsen. Es war acht Jahre vor den Freiheitsstürmen der Märztage — am 5. Februar 1840, da erhob sich plötzlich in Damascus jenes grauenhafte Gespenst des Blutmärchens. Alle Augen, die sehen wollten, erkannten wohl sofort hier ein Gewebe, gesponnen von