Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 102 (3.1898)
- Date
- 1898-03-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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8 Mitteilungen der Oesterr.-Israel. Union. Nr. 102. wodurch eine der herrschenden Partei besonders wohlgefällige Ersparnis in der Höhe von fl. 262.000 erzielt' worden ist. Wie Steuergelder behandelt werden: Der auf das antisemitische Programm gewählte, jedoch massvolle und nie agressiv auftretende Gemeinderath Dr. Kraft hat darauf hingewiesen, dass zwar für die hungernden Schulkinder in Favoriten keine Mittel vorhanden sind, dafür aber stets für Kirchen- Gesangvereine Subventionen bewilligt werden. Redner verweist nun auf die ausgezeichnete Kritik des Rechnungsabschlusses und des Hauptvoranschlages durch Dr. Alfred Stern hin, auf dessen muthiges, unerschrockenes Auftreten gegenüber der wüthenden tobenden Gemeinderaths- Majorität und auf dessen grossen moralischen Erfolg. Genaue Einhaltung des Budgets! Der Reservefond von fl. 500.000 war zu Ende des vorigen Jahres um fl. 625.000 überschritten. Ausserdem waren noch um fl. 307.000 Anträge auf diesen überlasteten Reservefond in Vormerkung. Unmittelbar nach Genehmigung des Budgets wurden für Kosten der Theilnahme der Commune an der Jubiläumsausstellung, für welche fl. 99.000 bewilligt waren, ein weiterer Betrag von fl. 30.000 als Mehrkosten präliminirt, obwohl zur Zeit der Budgetaufstellung alle Pläne und Berechnungen bis in das kleinste Detail vorgelegen waren. Schul-Angelegenheiten. Das städtische Pädagogium, eine Musteranstalt, daher ein beliebtes Angriffsobject für die clericalen Schulfeinde, soll aufgehoben werden. Dass die Lehrer infolge der ihnen zutheilgewordenen schlechten Behandlung dem jetzigen Regime immer feindlicher gesinnt werden, ist natürlich und auch allgemein bekannt. Bei Lehrerernennungen kommen himmelschreiende Ungerechtigkeiten vor. Die grösste Anzahl der berechtigten Competenten wird zurückgesetzt, und ein grosser Theil in unverdienter Weise bevorzugt. Gesuche von jüdischen L ehre r n bleiben einfach unberücksichtigt. Der deutschnationale Lehrer und Gemeinderath Tomanek, ein strammer Antisemit, aber Gegner des Bürgermeisters, hat auf Grund von amtlichen Tabellen nachgewiesen, dass von 36 Besetzungen, bei welchen provisorische Unterlehrer zu definitiven gemacht wurden, 24, also volle Zweidrittheile eine Bevorzugung erfahren, somit eine Ungerechtigkeit platzgegriffen hat.