Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 102 (3.1898)
- Date
- 1898-03-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 102. Mittheilungen der Oesterr.-lsrael. Union. 9 Fast dasselbe Verhältnis hat bei der letzten Ernennung von Volks- und Bürgerschullehrern aus der Reihe der Unterlehrer stattgefunden. Vor der Ernennung werden sorgfältig Recherchen über das politische Verhalten der Lehrer angestellt. Liberale Petenten werden zurückgesetzt, Juden und Socialdemokraten aber gänzlich ausgeschlossen. "Wie sollte es auch anders sein, in einer Zeit, in der die Herren Gessmann und Gregorig das grosse Wort in Schulangelegenheiten führen. Oeffentliehe Arbeiten. Seitdem die jetzige Majorität ihre Herrschaft im Rathhause angetreten, hat sie bei Ausführun.g der normalen öffentlichen Arbeiten die Muster, welche vom früheren Gemeinderathe geschaffen worden sind, einfach c o p i r t und , sich nicht den Kopf über Einführung von Neuerungen und Fortschritten zerbrochen. Oder haben Sie vielleicht gehört, dass beispielsweise Versuche mit rationellen, das ist zweckmässigeren oder mehr ökonomischen Methoden der Strassenpflasterung gemacht wurden'? Es möge mir gestattet sein, an dieser Stelle eines Gespräches zu erwähnen, welches ich vor ungefähr 15 Jahren mit dem seither verewigten Oberbürgermeister von Berlin, von Forckenbeck, zuführen Gelegenheit hatte. Nachdem wir durch längere Zeit wichtige communale Einrichtungen in Wien und in Berlin verglichen hatten, kamen wir auch auf die Fortschritte im Pflasterungswesen zu sprechen. Ich erwähnte mit einigem Selbstgefühl der ausgedehnten Versuche, welche in Wien mit Holzstöckel- und Asphaltpflasterung gemacht worden seien, worauf mir Forckenbeck antwortete: ,,lch kenne die interessanten Versuche, die Sie in Wien angestellt haben, auch wir haben in Berlin ähnliches unternommen. Ich habe mir nun, um diese Versuche in grösserem Massstabe durchführen zu können, von meinen Stadtverordneten den Betrag von — 3 Millionen Mark votiren lassen!" Die Wiener Schulbauten, wie sie im Laufe der letzten 15 Jahre ausgeführt worden sind, besitzen zahlreiche Vorzüge in Bezug auf Feuersicherheit und Hygiene: Heizung und Ventilation der Schulzimmer, Oorridore und Anstandsorte; Herstellung von gewölbten Decken und eichenen Fussböden, ausgiebige natürliche und künstliche Beleuchtung, zweckmässige Closets etc. Diese Einrichtungen sind auf die Verdienste früherer Gemeinderäthe, und ich darf ohne Unbescheidenheit an dieser Stelle mein eigenes erwähnen, zurückzuführen. Auch hier haben keine Verbesserungen platzgegriffen, obwohl die Wissenschaft stetig vorschreitet.