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Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1898-03-01 · 102 (3.1898) · p. Seite 4

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Journal
Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
10 (1898)
Issue
102 (3.1898)
Date
1898-03-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. Nr. 102. Bekannt ist es, dass Subventionen an Vereine mit gemeinnützigen Tendenzen verweigert oder an schimpfliche Bedingungen geknüpft worden sind. Ich erwähne die Fälle der Bettungsgesellschaft, des Volksbildungsvereines, des Theresienkreuzer- und Volksküchenvereines, des Frauenerwerb- und Deutschen Schulvereines, des Lehrlingsheims, der Künstlergenossenschaft und zuletzt die brutale Entziehung von Lernmitteln für arme Schulkinder, Dagegen ist eine nicht mehr zu überblickende Anzahl von Kirchenbau-, Kirchengesangs-, katholischen Jünglings¬ und Gesellenvereinen, von Congregationen und Klöstern beiderlei Geschlechtes in ausgiebiger Weise subventionirt und sind zu diesem Behufe die Gelder von Steuerträgern ohne Unterschied der Confession verwendet worden. Ich werde nicht von den unerhörten Massregelungen der Lehrer, von der Uebertragung öffentlicher Arbeiten und Lieferungen an Grossindustrielle durch die Beschützer des kleinen Mannes, von der Vergebung öffentlicher Arbeiten und Lieferungen an Ausländer durch die privilegirten Beschützer des heimischen Gewerbefleisses und andererseits an Freunde und Bekannte der Gemeindefunctionäre sprechen. Dagegen will ich in gedrängter Kürze einige weniger bekannte Züge aus dem Wiener Gemeindeleben vorführen oder Halbvergessenes in Ihr Gedächtnis zurückrufen. Und so lassen Sie mich denn mit einer Skizzirung des politischen Verhaltens unserer Stadtväter beginnen. Politisches Verhalten. Von der politischen Gesinnungstüchtigkeit der Majorität ein Beispiel: So lange die Opposition des Parlamentes im Kampfe gegen das Ministerium Badeni gestanden, hatte der Gemeinderath nicht Zeit gefunden, seinen politischen Anschauungen Ausdruck zu geben; erst am 30. November 1897, zwei Tage nach dem Sturze des Ministeriums waren die Herren zur Kenntnis ihrer deutschen Gesinnungen und zum richtigen Verständnis der Lex Falkenhayn gelangt und erfolgte die bekannte Enunciation des Gemeinderathes. Ein anderes Beispiel: Der liberale Gemeinderath Weisswasser beantragt am 3. December 1897: Der Gemeinderath der Stadt Wien wolle angesichts der Ereignisse, deren Schauplatz die Landeshauptstadt Prag in den letzten Tagen gewesen, den deutschen Bewohnern derselben seine Sympathie aussprechen, sowie eine Beitragsleistung zur Unterstützung der armen Geplünderten gewähren. Trotz mehrfacher Urgenzen ist über diesen Antrag bisher noch nicht berichtet worden. Die Abschaffung des Stadtrathes war ein Programmpunkt der Antiliberalen vor den Wahlen. Jetzt sind aus ihrer

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