Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 102 (3.1898)
- Date
- 1898-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 102. Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. 5 Mitte 22 besonders Befähigte zu diesem besoldeten Amte berufen, die man doch nicht mit e i n e m Schlage zu Unzufriedenen machen kann. Die Erweiterung des Wahlrechtes für den Landtag und den Gemeinderath gehörte vor den Wahlen zum Feldgeschrei der Antisemiten: jetzt ist es davon ganz stille geworden. Allerdings besteht eine Gefahr für die herrschende Partei, wenn Männer in das Landhaas und die Rathsstube kommen sollten, welche gewohnt sind, die Dinge beim rechten Namen zu nennen und sich keinerlei „Behandlung" von dem Vorsitzenden gefallen lassen; gleichgiltig ob er Strohbach oder Gudenus heisst. Dem ersteren gegenüber ist Vorsicht allerdings am Platze, weil bekanntlich energische Zurückweisung der von dem Vorsitzenden begangenen Ausschreitungen die sofortige Ausschliessung oder eine strafgerichtliche Verurtheilung zur Folge hat. Weniger verständlich ist es jedoch, dass sich die Mitglieder der Minorität im niederösterreichischen Landtage die Unfähigkeit und Taktlosigkeit des dortigen Vorsitzenden in den meisten Fällen haben gefallen lassen. Ganz unbegreiflich aber erscheint es, dass die wiederholten Ausrufe von Schneider und Gregorig: „Scliussgeldauf Juden" kein Mitglied der liberalen Partei zu einem kräftigen Einschreiten gegen den Vorsitzenden und dessen Indolenz veranlasst haben. Erst in den letzten Tagen hat sich ein Abgeordneter, Professor von PJailippovich, zu energischer und erfreulicher Abwehr aufgerafft und die richtigen Worte gegen einen Vorsitzenden gefunden, der seine Pflichten vernachlässigt. Wir alle, und wahrscheinlich er selbst, haben diese Energie von ihm nicht erwartet, als er zu einer halbverflossenen Zeit, anlässlich seiner Jungfernrede, der aufstrebenden jungen Partei (darunter verstand er die Antisemiten) seine achtungsvolle Reverenz gemacht hat. Art der Berichterstattung. Die charakteristischen Merkmale der gegenwärtigen Berichterstattung sind die Unwissenheit und Unfähigkeit vieler Eeferenten und die eigenthümliche Auffassung über die Stellung einzelner Mitglieder des Gemeinderathes gegenüber den Interessen der Bevölkerung. (Redner beleuchtet den Fall des Subventionsgesuches vom Theresienkreuzervereine.) Die Finanzreferenten erstatten Berichte auf Grund von falschen Ziffern. _ So ist dem Bürgermeister Strohbach Ende 1896, anlässlich einer Berichterstattung behufs nachträglicher Genehmigung der Verwendung von vier Millionen Gulden, ein kleiner Irrthum von fl. 8 3 4.000 unterlaufen.