Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 102 (3.1898)
- Date
- 1898-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 102. Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. 3 Aus dem Protokolle der am Samstag den 5. März 1898, stattgefundenen Vereinsversammlung der „Oesterr.-Israel. Union". Vorsitzender: Präsident Wilhelm Änninger. Schriftführer: Secretär Josef Fuchs. Unter grosser Betheiligung seitens zahlreicher Mitglieder und Gäste, unter welchen man die Herren Reichsraths-Abgeord neten Hofrath Kareis, Gemeinderath Dr. Alfred Stern, Oberbaurath Taussig, die Oultusvorsteher Dr. Grünfeld, Arthur *von Mieses, Dr. Marcus Spitzer und Kammerrath Vogel, Bezirksausschuss "Waldstein, kais. Rath Ruzizka u. A. bemerkte, eröffnete der Vorsitzende die Versammlung und ertheilte Herrn Gemeinderath Baurath Wilhelm Stiassny das Wort zu seinem angekündigten Vortrage: Wienerisches. Jüdisches. Der Vortragende mit lebhaften Zurufen empfangen, sagte: Es sind fast zwei Jahre verflossen, seitdem ich, unmittelbar nach Abschluss der letzten Gemeinderathswahlen und bevor noch die aus antiliberalen, christlich-socialen und deutschnationalen Elementen zusammengesetzte Mehrheit des Gemeinderathes ihre Thätigkeit in Angriff genommen hatte, in demselben Saale, in welchem wir uns gegenwärtig befinden, wenngleich vor einem anderen Vereine, meine Ansichten über die künftige Thätigkeit des Wiener Gemeinderathes aussprechen konnte. Meine Anschauung, dass die zumeist aus extremen Elementen zusammengesetzte Partei als sicherstes Band der Zusammengehörigkeit die äusserste Rücksichtslosigkeit in der Verfolgung ihrer politischen Gegner, insbesondere der Juden,- anwenden werde, begegnete manchem Zweifel. Zu mindestens für den Anfang, glaubte der optimistisch gesinnte Theil meiner Zuhörer, werden die neuen Gewalthaber ihre Absichten mit dem Mäntelchen, der Schamhaftigkeit verhüllen. Die Thatsachen haben meiner Auffassung vollkommen Recht gegeben und heute, nach ihrem fast zweijährigem Bestände, lässt sich die Bilanz über die Thätigkeit dieser sonderbaren Gesellschaft, welche sich im Wiener Rathhause breit macht, ziehen. . Ich beabsichtige keineswegs, Ihnen die Leistungen und die Thätigkeit des Wiener Gemeinderathes während der fast zweijährigen Herrschaft der Majorität vorzuführen. Sie sind zumeist allgemein bekannt.