Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 101 (3.1898)
- Date
- 1898-03-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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8 Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. Nr. 101. ist gross. Wenn aber eingebildete Narren mich tadeln, so lass' Kunstliebe meinen Geist stählen, class er ohne Rücksicht auf Alter, Ruhm und Menschen auf der "Wahrheit beharre, denn nachgeben wäre Tod und Krankheit dem Geschöpfe." Die Arbeiten Maimonides sind noch heute nicht aus dem Dunkel der Bibliotheken hervorgezogen, je mehr sie aber publik werden, desto mehr haben wir Gelegenheit, den universellen Geist dieses Mannes zu bewundern, der nicht nur Talmudist, sondern Kosmolog, Physiolog, Philosoph, Astronom und namentlich Psycholog war. Ich erinnere hiebei daran, dass Richard Löwenherz, der Führer in den Kreuzzügen gegen Saladin, sich bemühte, Maimonides an seinen Hof nach England zu ziehen und waren es nur religiöse Bedenken, welche Maimonides zurückhielten. Was er seinen Glaubensgenossen in Egypten war, können Sie einem Briefe entnehmen, den er an ein Mitglied der berühmten Familie Ibu Tiben welche sich die Verbreitung der talmudischen Lehre und Medicin in der Provence zur Aufgabe gestellt hat, richtete. Es heisst dort (liest): Ich wohne selbst in Misr (Alt-Kairo) und der König residiert in Kairo, zwischen beiden Städten ist eine Entfernung von 2 Techum Sabbat (4000 Schritte). Täglich muss ich den König des Morgens besuchen und wenn ich ihn, eines seiner Kinder, oder eine seiner Frauen krank finde, muss ich den ganzen Tag in Kairo bleiben und bringe den grössten Theil desselben am königlichen Hof zu. Ich muss überhaupt täglich nach Kairo gehen, und wenn daselbst auch nichts Neues vorgefallen, kehre ich erst nachmittags nach Misr zurück. Wenn ich nun sterbend vor Hunger mein Haus betrete, finde ich die Vorsäle von Menschen jeden Standes gefüllt, Juden und Nicht-Juden, Reiche und Arme, Freund und Feind, Richter und Beamte, eine bunte Mischung. Kaum bin ich vom Reitthiere gestiegen, wasche ich mich und gehe zu den Leuten hinaus, um sie zu begrüssen und zu bitten mich zu entschuldigen und sich zu gedulden, bis ich etwas genossen haben werde. Dies gethan, unterhalte ich mich mit den Krankem verschreibe ihnen verschiedene Recepte und ertheile ihnen Vorschriften, wie ihre Krankheiten zu heilen sind. So wiederholen sich die Besuche bis gegen Abend, zuweilen bis 2 Stunden in die Nacht hinein und noch länger. Mit einem Worte, es kann kein Israelit in irgend einer Angelegenheit sich mit mir unterhalten, ausgenommen am Sabbath. An diesem Tage versammelt sich bei mir die ganze oder wenigstens der grösste Theil der Gemeinde nach dem Morgengebete. Ich ordne die Angelegenheiten für die laufende Woche und halte einen Vertrag bis Mittag. Nach dem Minchagebet kommen wieder Einige, denen ich nochmals Belehrung ertheile; so fliessen meine Tage dahin." Neben und nach Maimonides wirkte noch eine ganze Reihe von jüdischen Aerzten in der ganzen damals bekannten Welt. Auch in das nördliche Frankreich wurden jüdische Aerzte gezogen, wiewohl die Universität von Paris gegen Montpelliers eine feindliche Stellung einnahm. Sie konnte es nämlich in der