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Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1898-03-01 · 101 (3.1898) · p. Seite 7

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Journal
Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
10 (1898)
Issue
101 (3.1898)
Date
1898-03-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 101. Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. < während des Mittelalters ausschlaggebend war. Nach Salerno zogen aus ganz Europa jene Männer, welche Medicin lernen wollten; auf diesem talmudisch-griechischen Boden wuchs einer der bedeutendsten Männer der jüdisch-arabischen Medicin hervor, nämlich Moses ben Maimon. Moses ben Maimon war ursprünglich zum Richter bestimmt, — die Angehörigen seiner Familie hatten die richterliche Laufbahn eingeschlagen, — studierte aber auch Medicin. Als nun die Almohaden die Almosaviden besiegten, brach eine Judenverfolgung aus, man wollte die Juden zwingen, zum Islam überzutreten. Maimonides floh nach Marokko, und aus seinen Schriften, die er in Marokko verfasste, — eine ist über das Asthma, — geht hervor, dass in Marokko damals sehr angesehene jüdische Aerzte lebten, deren Namen man heute noch unter den Spaniolen findet. Maimonides kam unter mannigfachen Fährlichkeiten und nachdem er sein ganzes Vermögen verloren hatte, nach Egypten. Hier wurde seine Bedeutung bald erkannt, und er wurde Leibarzt des grossen Saladin und OhefJ des aegyptischen Sanitätswesens. Er hatte z. B. die medicinisch-hygienischen Massnahmen zu bestimmen, welche bei der Erziehung des Kronprinzen zu beobachten waren und eine populäre Schrift über Vergiftungen und deren Heilung auszuarbeiten, die als Sanitätsverordnung galt. Er war zugleich Oberhaupt der Juden in Egypten. Maimonides entwickelte die hygienischen Lehren des Talmud auf das höchste, so dass die von ihm erlassenen hygienischen Bestimmungen, die alle Verhältnisse des menschlichen Lebens regeln, noch heute vollkommen giltig sind und derjenige richtet sein Leben am besten ein, welcher sich an diese Bestimmungen hält. Um Ihnen einen Einblick in das Gefühlsleben des Maimonides zu gewähren, will ich Ihnen einiges aus seinen nichtmedicinischen Schriften vorlesen. Es ist uns ein Gebet erhalten geblieben, das er täglich an Gott richtete, bevor er in die Praxis ging. Es lautet in Uebersetzung (liest): ,,Lass, dass mich beseele die Liebe zur Kunst und zu deinen Geschöpfen. Gib' es nicht zu, dass Durst nach Gewinn, Haschen nach Ruhm oder Ansehen sich in meinen Betrieb mische. Denn diese sind der Wahrheit und der Menschenliebe Feind und sie könnten auch mich irreleiten in meinem grossen Berufe, das "Wohl Deiner Geschöpfe zu fördern. Erhalte die Kräfte meines Körpers und meiner Seele, dass unverdrossen sie immer dir bereit seien, zu helfen und beizustehen dem Reichen und dem Armen, dem Guten und dem Bösem, dem Freund und dem Feind. Lass' im Leidenden stets nur den Menschen mich sehen. Verleihe meinen Kranken Zutrauen zu mir und zu meiner Kunst in Befolgung meiner Vorschriften und "Weisungen. Verbanne von ihrem Lager alle Quacksalber und das ganze Heer rathgebender Verwandten und überweiser Wärterinnen, denn es ist ein grausames Volk das aus Eitelkeit die besten Absichten der Kunst vereitelt und deine Geschöpfe oft dem Tode zuführt. Wenn weisere Künstler mich bessern und belehren wollen, lass' meinen Geist dankbar und folgsam sein, denn das Gebiet der Kunst

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