Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 101 (3.1898)
- Date
- 1898-03-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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6 Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. Nr. 101. ist, ist rabbinisohe Gedankenarbeit und das wurde von den Juden durch die Araber nach Spanien gebracht. In der Zeit, als der Talmud sich seinem Abschlüsse näherte, also im V. Jahrhunderte, zerfiel das grosse römische Reich in zwei Hälften. Das weströmische Reich wurde von den Germanen nach und nach verwüstet, und es währte Jahrhunderte, bis sich auf den Gräbern der alten römischen Cultur neue Sprossen der Civilisation entwickelten. Das oströmische Reich blieb allerdings zum grossen Theil von diesen Stürmen verschont, wurde aber von den Zwistigkeiten der christlichen Secten derart in Anspruch genommen, dass die Wissenschaften sich nicht entwickeln konnten und versteinerten. Es entwickelten sich asiatische Zustände, es blühte das Kasten- und Zunftwesen, bis das oströmische Reich von den Arabern nach und nach erobert wurde. In den zu demselben gehörigen Provinzen trafen die Araber jüdische Schulen und Aerzte an. Sie gingen zu den Juden in die Schule, sie selbst errichteten in Bagdad, in Bassora und in Kaiurvan Hochschulen, an welchen zumeist jüdische Professoren Medicin lehrten. Dieselben Männer trugen die Medicin auch nach Spanien, welches von den Arabern erobert wurde, und es entwickelte sich eine glänzende Periode der medicinischen Wissenschaften, welche bis zum Jahre 1500 andauerte. Sowohl die Sultane von Cordovaund Granada, als auch Könige von Aragonien, Castilien hatten jüdische Aerzte. Die jüdischen Aerzte wurden nicht blos ihre medicinischen Berather, sondern auch ihre Berather in Staatsangelegenheiten. Viele Juden, so Abarbanel, wurden Minister und Diplomaten und vermittelten die diplomatischen Beziehungen zwischen dem byzantinischen Reiche und dem weiten Spanien. Zur Zeit Harun al Raschid's, unter welchem die jüdische arabische Medicin am üppigsten blühte, war ein Jude Führer jener Deputation, die er an das Hoflager Karls des Grossen sandte. Die jüdischen Aerzte schrieben damals zumeist arabisch; sie übersetzten die Producte der griechischen Medicin, und Naturwissenschaft und Philosophie in's Arabische oder Hebräische, und diese Elaborate übersetzten die europäischen Gelehrten, so weit es solche gab, in's Lateinische. Später übertrugen die jüdischen Aerzte selbst die Werke in's Lateinische, und es gab von Juden geleitete Schulen in Spanien, welche in's Arabische übertragene, griechische Schriften zurückübersetzten; eine solche Akademie errichtete Alphons II. Die jüdisch-arabische Medicin drang nicht nur nach Spanien, sondern auch nach Italien. Die Araber kamen bekanntlich auch nach Frankreich, bis nach Poitiers, wo sie von Karl Martell geschlagen wurden. In der kurzen Zeit ihrer Herrschaft errichteten sie Schulen, welche grösstentheils von Juden geleitet wurden u. zw. in Narbonne und Bezieres. Die Juden blieben auch später daselbst, lehrten Medicin, rabbinisohe Wissenschaft, Talmud und Philosophie. Aus diesen Schulen gieng die berühmte Universität von Montpelliers hervor, deren erste Lehrer Juden waren. Aehnlich war die Entstehungsgeschichte der Schule zu Salerno, welche