Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 101 (3.1898)
- Date
- 1898-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9607226-9602073-9602090--057-9602095- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 101. Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. 5 bekannten Erdbodens. Viele sind m Babylonien und in Persien zurückgeblieben. Das Buch Esther spielt in Persien und dort wurde der Grund gelegt für die grossen Talmudschulen von Sua Gumbedetha und Nehardea. Alexander der Grosse war ein grosser Gönner der Juden; er hat ihre Vorzüge anerkannt, und ihnen in den von ihm eroberten Ländern Vorrechte eingeräumt. Es siedelten sich damals Juden wieder in Egypten an, insbesondere in Alexandrien. Die Juden kamen auch nach Italien; sie lebten in Born lange vor Christus. Unter Cäsar bestand bereits eine grosse Judengemeinde in Rom und es besitzt das Museum Kircherianum, Grabmäler und Sarkophage aus jüdischen Friedhöfen und jenem Theile der Katakomben, welcher den rabbinischen Juden gehörte. In allen diesen Provinzen lernten die Juden griechische Philosophie kennen und sie verarbeiteten sie in ihrer Art, wie wir es von Philo sehen. Ihre Aufgabe war es, nach dem Untergange des römischen Reiches, die griechische Philosophie, Medicin und Naturwissenschaft aufzubewahren und andere Völker zu lehren, und zwar in arabischer und hebräischer Uebersetzung, bis 1000 Jahre später europäische Gelehrte sich mit den klassischen Producten zu befreunden begannen. Dass im Mittellter die Keimtniss der griechischen Medicin und Philosophie den Franken, Germanen und selbst den Italienern vermittelt wurde, ist hauptsächlich den Juden zu verdanken, die aus der Schule der Diaspora her Vorgängen sind und in Alexandrien, Syrien, Rom und später auch in Spanien ihre geistigen "Werkstätten errichteten. Die Zerstörung Jerusalems und die Niederwerfung des Aufstandes unter Barkochba durch Kaiser Hadrian hat die jüdische Geistesarbeit sehr wenig behindert. Wir wissen z. B., dass Rabbi Jochanan ben Sakai Jerusalem während der Belagerung verliess und am Gestade des Mittelmeeres, in Tabneh eine Schule errichtete, in welcher gelegentlich auch Medicin gelehrt wurde. Ich will die Talmudisten, welche auch Medicin trieben, nicht aufzählen. Hervorheben will ich nur; dass der römische Arzt Celsus der zu Beginn unserer Zeitrechnung lebte, und Galenus, nach 200 n. Chr., welche bis in's 17. Jahrhundert Geltung hatten, von jüdischen Aerzteberichten und den Medicamenten jüdischer Aerzte mittheilen. Die talmudische Medicin hat zweierlei Richtungen, die jüdische und die griechische. Die erstere befasst sich hauptsächlich mit der Erforschung der Verrichtungen des menschlichen Körpers, sie basirt zum Theil auf anatomischen Untersuchungen, und mit hygienischen Vorschriften, welche als Ausbildung der betreffenden Normen der Bibel anzusehen sind. Die griechische Richtung beschäftigt sich namentlich mit den Heilmethoden, welche allerdings dem damaligen Stande der Wissenschaft entsprechend, ungeheuer complicirt, abenteuerlich und theilweise auch widersinnig sind, was aber darin von bleibendem Werth