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Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1898-03-01 · 101 (3.1898) · p. Seite 4

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Journal
Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
10 (1898)
Issue
101 (3.1898)
Date
1898-03-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. Nr. 101. die ich vor Euch verjagen werde: und der Erboden hat sie verschlungen." „Ihr werdet nichts davon thun, was man in Aegypten und in Kanaan thut, Ihr werdet meine Gesetze befolgen und der Mensch, der sie befolgen wird, wird durch sie leben." „Es ist kein leeres Wort für Euch, sondern es ist Euer Leben und durch dieses Wort werdet Ihr Eure Tage auf Erden verlängern." (Deut. XXXII, 47). „Siehe, ich nehme heute den Himmel und die Erde zu Zeugen, dass ich vor Dich gestellt Leben und Tod, Segen und Fluch; so wähle den das Leben, auf dass Du lebest, Du und Deine Nachkommenschaft." (Deut. XXX. 19). Andere Bestimmungen betreffen wichtige hygienische Fragen, so die Abführung der menschlichen Dejecte, die Beaufsichtigung der Wohnungen, nach der Richtung, ob sich vielleicht an den Wänden Infectionsstoffe befinden. Bekannt sind die Vorschriften über den Zaraah, namentlich die Untersuchung von Menschen und Wohnungen und die Desinfection der letzteren durch Priester, und insbesondere über die Desinficirung der eroberten feindlichen Lager. Alles, was Metall ist, soll durch Feuer geführt werden, alles Andere durch Wasser, welche Vorschrift auch der heutigen Hygiene entspricht. Diese Vorschriften veranlassten den französischen Hygieniker Gueneau de Mussy zur Behauptung, Moses habe von den Mikroben gewusst. Das war gewiss nicht der Fall. Es war nur die unvoreingenommene Beobachtung der Natur, welche lehrt, dass alle jene Stoffe, welche einen Zerfall organischer Körper durch Mikroben erfahren, sich durch ein widerliches Aeusseres und durch einen widerlichen Geruch kundgeben, Erscheinungen, welche von den Nachbarvölkern nicht beobachtet wurden. Ich will nicht die einzelnen Bestimmungen der Bibel citiren. Hervorgehoben sei noch, dass auch unter den Richtern und Königen hervorragende medicinische Kenntnisse vorhanden waren; sie waren aber mehr legendärer Art. Einen wichtigen Abschnitt im Leben des jüdischen Volkes bedeutet das babylonische Exil. In Babylonien lernten die Juden die hervorragende Philosophie der Perser kennen, und sie eigneten sich die bedeutendsten Ergebnisse derselben an, ohne aber das Vielgötterthum aufzunehmen. Erst in der Gefangenschaft wurden die Juden des Werthes der Bibel inne, die damals noch in mündlicher Ueberlieferung vorhanden war, und nach dem babylonischem Exil wurden die Traditionen von Esra und Nehema gesammelt und bestimmt, dass die Bibel am Sabbath und an Feiertagen vorgelesen und erklärt werden soll. Dies gab Veranlassung, auch die hygienischen Vorschriften weiter auszuführen und zu erklären; sie wurden später zum grossen Theile gesammelt und liegen im Talmud vor. Damals oder kurz darnach kamen die Juden mit den Griechen in Berührung. Damals lebte Aristoteles, der Lehrer Alexander des Grossen. Die Juden lebten auch nicht blos in Palästina allein, sondern zerstreut auf dem grössten Theile des

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