Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 101 (3.1898)
- Date
- 1898-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. ICC Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. 3 nach periodischer Arbeitsruhe, ein Postulat, welches in seiner vollsten Bedeutung erst am Ende dieses Jahrhunderts allgemein erkannt wurde. Die modernen Physiologen haben nachgewiesen, dass durch die Arbeit sich chemische Körper im Organismus bilden, Ermüdungskörper, welche die Arbeit der Muskel und des Gehirns mit der Zeit erschlaffen. Diese werden nun ausgeschieden, wenn der Körper nicht arbeitet, dazu ist aber nach mehreren Arbeitstagen eine längere Pause erforderlich; in der Zeit zwischen zwei Tagen kann nicht alles ausgeschieden werden. Der Sabbathruhe haben wir es zu verdanken, dass die jüdische Bevölkerung bis in ihre untersten Schichten sich die geistige ^Regsamkeit erhalten hat; denn durch die übermässige Ermüdung werden auch die Functionen des Gehirns beeinträchtigt. Es haben, und daraus geht die Wichtigkeit der Sabbathruhe hervor, nicht blos die Juden, sondern auch die Griechen ihr gehuldigt. Zahlreiche Stellen in griechischen und römischen Schriftstellern beweisen, dass dort wo Juden wohnten, auch die griechischen Philosophen den Sabbath dazu benützten, um Vorträge zu halten. Es wird uns sogar mitgetheilt, dass, als Nero nach Athen kam und einen römischen Philosophen hören wollte, er bis zum nächsten Sabbath warten musste. Es ist begreiflich, dass eine Nation wie die römische, mit ihren harten Normen über Eigenthum und Sklaverei, darüber sich wundern musste, dass es ein Volk gibt, welches auch den Sklaven ruhen lässt, und daher die vielen hämischen Bemerkungen römischer Schriftsteller, wie z. B. von Seneca, Tacitus und Horaz. Am bedeutendsten zeigt sich die Socialhygiene in Bezug auf das eheliche und das Familienleben der Juden. Wie bei allen Menschen, bei welchen eine unmenschliche Ausnützung der arbeitenden Menschen, stattfindet, bestanden auch unter den Völkern der Umgebung nicht arbeitende Kasten und Bevölkerungsclassen, deren einzige Beschäftigung das Vergnügen und das Streben nach Befriedigung der sinnlichen Lust war. So auch bei den Assyrern, Phöniciern und Aegyptern. Hat sich einmal eine solche Schichte gebildet, so degenerirt die ganze Nation und hierin liegt auch der Grund, warum von den genannten Völkern und selbst von den Griechen und Eömern keine Spur geblieben ist, während die Juden noch heute bestehen. Wir wissen, dass bei den anderen Völkern die sexuelle Perversität und Immoralität zu den gottesdienstlichen Handlungen gehörte, während schon die zehn Gebote der Juden das Eheleben und die sexuelle Moral betreffende Bestimmungen enthalten. Wie ist ersteres möglich? Ueberall, wo die herrschende Classe irgend etwas Unrechtes thut, beruft sie sich auf ein göttliches Gebot. Dagegen heisst es bei den Juden (liest): ,,Ihr werdet meine Anordnungen befolgen und keine dieser verwerflichen Gewohnheiten pflegen, die vor Euch getrieben wurden." „Besudelt Euch durch keines dieser Dinge, denn alle diese Dinge sind es, durch welche sich die Völker besudelt haben,