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Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1898-01-01 · 99 (1.1898) · p. Seite 7

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Journal
Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
10 (1898)
Issue
99 (1.1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 99. Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. 7 provocirt. Der Sohn des Saul hat den Vorposten der Philister unerwarteterweise angegriffen, dadurch ist das gegnerische Lager in Bewegung gebracht und als die Philister sich bewegten, musste natürlich auch das israelitische Heer in Action treten. Saul hätte sich hier als König erproben können, denn wie es auch immer im Frieden sein mag, im Kriege befiehlt nur einer, und seinem Willen muss sich alles beugen. Mit Rücksicht auf seine Vereinbarung mit dem Propheten hatte er dem Heere Halt zu gebieten. Er that es nicht. Die israelitischen Truppen rücken vor, die heilige Handlung wird vorgenommen, und in demselben Moment kommt Samuel. Er hatte sich also nicht verspätet. Sofort macht er Saul darauf aufmerksam, dass er einen Fehler begangen hat, dieser aber erwidert: Ich kann nichts dafür, das Kriegsvolk war losgestürmt. Ist aber das Königthum dazu da, damit das Volk regiere, damit sich der König schieben lasse? Samuel fällt gleich sein Urtheil unter vier Augen und sagt dem Saul, er werde wahrscheinlich nicht im Stande sein, eine Dynastie zu begründen. Sieht man in diesem Bilde, wie sich der König wegen des Volkes über die Wünsche des Propheten hinwegsetzt, so möchte man meinen, er wollte sich von seinem Mentor freimachen. Das Buch Samuel führt uns aber an demselben Tage eine zweite Scene vor, die uns eines besseren belehrt. Als die Philister verfolgt wurden, gab Saul Befehl, dass bei Todesstrafe niemand essen sollte, bevor der Sieg entschieden wäre. Jonathan, der sich früher entfernt hat, weiss davon nichts und isst etwas. Ein Soldat macht ihn auf das Verbot des Königs aufmerksam. Jonathan erwidert in Gegenwart der Soldaten: „Es war auch nicht klug, dass der Vater es gesagt hat." Das kennzeichnet den schlichten, völlig ungebundenen Ton im Hause Sauls. Saul erfährt das Uebertreten des Verbotes und decretirt, dass Jonathan sterben müsse. Der Prinz macht eine hämische Bemerkung, dass er freilich den Tod verdient habe und fügt sich Da legt sich das Volk ins Mittel und vereitelt die Vollziehung des Urtheils und es wird ein Lösegeld für das Leben Jonathan's gezahlt. In diesem Falle hat Saul auf die Ausführung eines von ihm selbst gegebenen Befehles verzichtet, weil es das Volk verlangte. Nicht aus Mitleid oder aus väterlichem Mitgefühl hat ,Saul nachgegeben, sondern weil sein Wille schwächer war als der des Volkes. Ein drittes Beispiel: Samuel gibt dem Saul im Namen Gottes den Auftrag, die Amalekiten gänzlich auszurotten. Saul fällt es nicht etwa ein, daran zu mäkeln; er zieht ab mit dem Entschlüsse den Befehl auszuführen. Er hat es aber unterlassen : er hat den König lebend als Gefangenen gebracht, und auch das Volk Beute machen lassen. Als ihn Samuel bei der Rückkehr begrüsste und fragte, ob er dem. Auftrage nachgekommen sei, antwortete er mit einem

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