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Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1898-01-01 · 99 (1.1898) · p. Seite 5

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Journal
Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
10 (1898)
Issue
99 (1.1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 90. 5 kleinen Missbräuche ruhig, welche sich die Söhne Samuels zu Schulden kommen lassen. Mit der Zeit aber verliert es die Geduld, tritt vor Samuel hin und sagt ihm: "Wir können mit der Verwaltung nicht zufrieden sein. Wir haben keinen Mann mehr, der der inneren Verwaltung vorstehen und dem äusseren Feinde gegenüber treten könnte wie Du. Was bleibt uns Anderes übrig. Wir haben es mit der aristokratisch einheitlichen Regierung versucht, wir haben die demokratische Regierung hinter uns, jetzt bleibt uns nichts Anderes übrig, als die Monarchie. So sprach das Volk. Nun gibt es zwar noch andere, combinirte Staatsformen. Aber hier sprach die Sache selbst für sich. Wenn an die Stelle des gewählten Regenten ein Monarch gesetzt wird, der seine Herrschaft vererbt, dann schwindet die Gefahr, die von den Verwandten droht. Der König hat ein Interesse daran, die Liebe des Volkes sich zu erwerben, um im Volke Wurzel zu fassen: er hat auch Interesse daran, die Kinder und Verwandte nicht ihre Stellung missbrauchen zu lassen, um die Zukunft seiner Familie zu sichern. Es liegt also im Interesse des Volkes, die erbliche Monarchie einzusetzen, weil der Monarch nur sich selbst schützt, wenn er die Rechte des Volkes schützt.. Nicht also der Trieb zur Nachahmung fremder Verhältnisse allein war es, welcher das Volk veranlasste, an Samuel die erwähnte Bitte zu stellen. Nicht weil die Nachbarn einen König hatten, wollten die Israeliten einen König, sondern die geschichtliche Entwicklung drängte sie zu diesem Entschlüsse. Aber auch der Grund, den das Volk angab, war nicht zu verachten: denn die Bündnisfähigkeit eines Volkes nimmt dadurch zu, wenn seine Staatsverwaltung eine ähnliche Form hat, wie die seiner Nachbarn. Samuel war dies nicht angenehm. Auch ihm galt als das Ideal einer jeden Herrschaft, dass sich das Volk dem Gesetze lüge. Er erklärte: ,,Gott ist euer König, und wenn ihr dem Gesetze nicht gehorcht, wird euch auch der König nicht helfen". Er malte auch den König so schwarz als möglich, nicht so sehr, um das Volk abzuschrecken, als damit das Volk sich später bekennen müsste: Wir sind nicht getäuscht worden, wir hatten den König von der schlechtesten Seite kennen gelernt und wollten ihn trotzdem. So handelte auch Josua bezüglich der Religion, denn wenn man seine letzten Worte hört, muss man rein glauben, er wollte das Volk zum Abfalle verleiten. Es ist nun selbstverständlich, dass der Uebergang von der volkstümlichen Form der Republik zur Monarchie kein schroffer sein durfte. Der erste König darf sich sicher nicht von dem Gedanken leiten lassen: „der Staat bin ich". Er soll sich vielmehr vom besseren Bürger nicht sonderlich unterscheiden. Man weiss, mit welchem Misstrauen der Republikaner der Monarchie begegnet. Er beobachtet den König auf das schärfste, ob er nicht sich einer Verfassungsverletzung schuldig macht, ob er nicht zuviel Prunk entwickelt u. s. w. Der König darf also keinen grossen Anhang

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