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Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1898-01-01 · 99 (1.1898) · p. Seite 4

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Journal
Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
10 (1898)
Issue
99 (1.1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. Nr. 99. so wird man zur demokratischen Auffassung kommen. Wenn sich endlich auch daran Schattenseiten zeigen sollten, dann kommen wir schrittweise zur Monarchie. Gehen wir nun von einem Manne aus, welcher von den Stammeshäuptern an die Spitze des Staates gestellt worden ist, aber nicht das Recht hat, seine Macht an die Kinder zu übertragen. Ein Beispiel hiefür ist Moses und dann Josua. Wenn nun der Mann, welcher an der Spitze des Staates steht, gerecht, bescheiden, uneigennützig, hingebungsvoll und voll von anderen guten Eigenschaften ist, so wird er Verwandte haben, insbesondere Söhne, welche keine Aussicht haben, Nachfolger ihres Vaters zu werden. Diese werden aber sich fortwährend sagen müssen: So lange der Vater das Staatsruder in Händen hat, haben auch wir Bedeutung und Einfluss im Staate, wenn er nicht mehr im Amte ist, so sinken wir in unser Nichts zurück und nur unsere eigenen Verdienste können uns emporheben." Es liegt aber in der Natur der Sache, dass diese Verwandten die Zeit und die Gelegenheit nicht unbenützt vorübergehen lassen und so lange sie Einfluss haben, denselben für ihre Interessen ausnützen. Der Sohn des Herrschers hat ja nicht die Verantwortlichkeit des Vaters, welcher sich verdient machen will, um seinen Namen im besten Angedenken zu erhalten. Dass es sich so verhält, ob im aristokratischen oder demokratischen Sinne gewählt wird, unternimmt unser Buch an zwei concreten Fällen zu veranschaulichen. Der hohe Priester Eli ist als Führer des ganzen Volkes anerkannt, sein Charakter ist dem Volke ein glänzendes Muster. Dies beweist sein Benehmen der armen Hanna gegenüber, die er, als er seinen Irrthum einsieht, um Verzeihung bittet und segnet. Das ist ein Aristokrat, der seinen Stammbaum bis auf Aron zurückführt, der sich aber nicht im Stolze des Aristokraten zeigt, sondern sich dessen bewusst ist, dass ihm seine Würde Pflichten auferlegt. Dagegen sind seine Söhne die echten jungen Cavaliere, von der grössten Rücksichtslosigkeit, gewaltthätig und hochfahrend, und ihre Burschen sind noch roher, wie die dienten, die dem Patrone die Leute aus dem Wege räumen. Echt demokratisch aber arbeitet sich Samuel, der Sohn der verhöhnten und verspotteten Frau, in die Höhe. Seine Tüchtigkeit und seine hervorragenden Leistungen verschaffen ihm ein immer mehr steigendes Ansehen, und er klimmt aus der untersten Schichte hinauf bis zur höchsten Stufe der allgemeinen Anerkennung und Verehrung. Dieses Emporsteigen braucht uns der Historiker nicht zu zeigen, weil uns weniger das Leben Samuels, als sein Wirken im Staate interessirt. Er theilt uns die vollendete Thatsache mit, wie Samuel in ganz Israel geschätzt ist. Wir haben also jetzt das Muster der einheitlichen Regierung im demokratischen Sinne. Samuel ist bescheiden und uneigennützig. Er wendet von seinem Amte sich nicht das Geringste zu. Er hat aber die Schwäche des Vaters, für die Fehler seiner Kinder blind zu sein. Das Volk erträgt wohl die

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