Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 9 (1897)
- Issue
- 98 (12.1897)
- Date
- 1897-12-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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r, Nr. 98. Redner verweist auf einzelne Facten in der agitatorischen Vergangenheit Sehneider's, welche Entrüstungsrufe bei der Versammlung hervorrufen, citirt auch die Zeugnisse von Päpsten, dass wiederholt unbarmherzige christliche Eltern ihre Kinder ermordeten, um die Juden des Mordes anzuklagen, und erinnert auch an die jüngsten Vorfälle in einer kleinen Stadt im Regierungsbezirke Posen und kommt zu dem Resultate, dass der Fall Schestak ein geplantes Bubenstück antisemitischer Hetzer gewesen. Dr. Bloch schloss mit den Worten: „Diesmal ist das Schelmenstück nicht geglückt, aber es ist traurig, dass solche Leute in Oesterreich Gesetzgeber sind." (Lebhafter Beifall.) Herr Stern berg beantragt, es sei ein Programm aufzustellen, um den galizischen Gemeinden durch Gründung von Schulen und Leistung von Subventionen beizustehen, ferner seien Wanderprediger für Galizien zu bestellen und alle Vorbereitungen für die künftigen galizischen Wahlen zu treffen. (Wird dem Vorstande zur Vorberathung zugewiesen.) Auf eine Bemerkung des Herrn Baumeisters Zerkowitz, dass seine Kinder bestraft wurden, weil sie an den Feiertagen ohne Entschuldigung ausgeblieben, dass ferner den Kindern das gründliche Erlernen des Hebräischen ohnehin nicht möglich sei, daher denselben die Bibel nur deutsch beigebracht werde, erwidert Herr Landesschulrath Dr. Gustav Kohn: Die Kinder, welche an Feiertagen von der Schule ausbleiben, haben nur eine Bestätigung beizubringen, dass dies über Wunsch der Eltern geschah, eine Entschuldigung sei durchaus nicht erforderlich. Für den hebräischen Unterricht müssen in erster Linie die Eltern sorgen; der Schule ist es unmöglich mehr zu leisten, als dass im Jahre circa 100 Verse gelehrt werden. Herr Dr. S. R. Landau: Der Verein sollte zu den Sprachenverordnungen Stellung nehmen, und zwar in der Weise, dass die Juden sich um dieselben gar nicht zu kümmern haben. Das seien die Früchte der Assimilation, wenn sich heute noch jüdische Studenten finden, die vor das Parlament ziehen, um Schönerer Ovationen darzubringen. Was sich an der Universität ereignete, mag als Ausdruck jugendlichen Ungestüms betrachtet werden, es sei aber durchaus ein edler Beweggrund, der die zionistischen Studenten leitete und es sei durchaus kein Anlass, das Bedauern hierüber auszusprechen. Herr Hofbauer erklärt hierauf, dass er in Folge der erhaltenen Aufklärung seine Aeusserung zurückziehe. Herr Doctorand Schalit: Wenn Herr Zerkowitz das Hebräische abschaffen will, damit der religiöse Sinn umsomehr auf andere Art gestärkt werde, so wäre es sehr beschämend, zu einem so herostratischen Mittel zu greifen. Die Unkenntnis des Hebräischen ist eine Folge der Erziehung. Statt den Knaben die grosse Tragödie des jüdischen Volkes beizubringen, wird ihnen ein Christbaum errichtet. — Die hebräische Sprache ist eines der