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Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1897-12-01 · 98 (12.1897) · p. Seite 5

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Journal
Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
9 (1897)
Issue
98 (12.1897)
Date
1897-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 98. 5 Cultusgomeinde in Wien für die Protestkundgebung gegen den N e u m a y e r'schen Antrag tiefgefühlten Dank und vollste Anerkennung aussprechen, andererseits sich der vod dem Vorstande der Wiener israelitischen Cultusgemeinde in der öffentlichen Sitzung vom 10. October d. J. angenommenen Resolution vollinhaltlich anschliessen. (Lebh. Beifall). Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Als erster Redner besprach Herr Bernhard Hofbauer die Ernennung von Vertrauensmännern für die neue Einkommensteuer. Herr Hofbauer sagte: Nach den neuen Steuergesetzen werden den kaiserlichen Steueradmistrationeu für die Erhebungen in Sachen der Einkommensteuer Vertrauensmänner aus der Bevölkerung attachirt. Die Wahl dieser Vertrauensmänner ist in die Hände der Gemeinde gelegt. Die Bezirksvertretungen von Wien waren beauftragt, eine Liste von geeigneten Persönlichkeiten in Vorschlag zu bringen. Die Vorschläge der antisemitischen Bezirksvertretungen wurden von der Majorität des Gemeinderathes genehmigt, dagegen die Listen der fortschrittlichen Bezirksvertretungen verworfen und an deren Stelle antisemitische Listen, die man sich von den „Gesinnungsgenossen" in den betreffenden Bezirken vorlegen Hess, angenommen. Die der fortschrittlichen Richtung angehörigen Steuerträger im ersten, zweiten, neunten und neunzehnten Bezirke, haben also unter den Vertrauensmännern für die Einkommensteuer keine Männer ihres Vertrauens. Redner wünscht, dass der Vorstand diese Angelegenheit in Berathung ziehe, was der Vorsitzende zusichert. Sodann übergeht Herr Hofbauer zur Besprechung der Vorgänge an der Universität und gab seinem Bedauern über die von jüdisch-nationalen Studenten provocirten Auftritte Ausdruck. Endlich erwähnt Redner die vom Abgeordneten Schneider im Abgeordnetenhause eingebrachte Interpellation, betreffend die Entführung eines kleinen Knaben durch den Kellner Grünfeld. Zu letzterem Gegenstande nahm der ehemalige Abgeordnete Dr. Bloch das Wort. Der Redner erzählte die Entführungsgeschichte des kleinen Schestak durch den vacirenden Kellner Grünfeld und constatirt, dass auf den Klang des Namens hin sofort das Blutmärchen erzählt und verbreitet wurde, obzwar Grünfeld gar kein Jude ist, ja nicht einmal von jüdischen Eltern abstammt Dr. Bloch erklärt, für ihn bestehe kein Zweifel, dass der Mechaniker Schneider um diesen Umstand gewusst habe,- als er seine Interpellation einbrachte. Dr. Bloch behauptet auch — und er übernahm ausdrücklich die Verantwortung für die Richtigkeit seiner Angaben — dass Gesinnungsgenossen Schneider's mit Grünfeld unter einer Decke gespielt, ja dass Grünfeld den kleinen Schestak auf Anstiften der Wiener antisemitischen Agitatoren entführt habe, damit diese Gelegenheit haben, „den Juden Eins zu versetzen", wie dies auch bei der berühmten Tisza-Eszlarer Affaire der Fall gewesen sei, wo die Antisemiten die Ester Solmossy umgebracht haben, um den Juden die Schuld in die Schuhe zu schieben.

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