B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 6 (6.1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9582244-9582244-9598440-9598613--1105-9598615- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
166 zu wollen. Wenn nun ein Glaubenssatz 'dieser Art auch für das überlieferte Glaubensmaterial angenommen wird, so ist es 'dann möglich, die einzelnen (Stellen der Religionsdokumente nach jenem Grundsätze auszulegen. Die Angst um den Glauben führt das Denken auf neue Wege und .zwingt es, Feinheiten und Einzelheiten zu erkennen, die ihm sonst verschlossen blieben. Hierin liegt eigentlich die Begründung und die Berechtigung der Religionsphüosophie. Ihr größter /Meister unter den Juden, der auf das gesamte Denken des Abendlandes Einfluß gewann, weil aus ihm z. B. Thomas von Aquino, (Spinoza, Descartes, Leibnitz schöpften, ist Moses Maimonides. Sein philosophisches Hauptwerk (in arabischer iSprache verfaßt, bald aber ins Hebräische übersetzt) ist der More Nebuchim. In der bei Felix Meiner erscheinenden „Philosophischen Bibliothek", einer Meisterleistung deutscher Verlegerarbeit, ist kürzlich eine dreibändige Übersetzung, die Dr. Adolf Weiss besorgt hat, unter dem Titel „Führer der Unschlüssigen", herausgekommen. Dem am „Glauben" Zweifelnden soll hier der Weg gezeigt werden, philosophisches (d. h. aristotelisches) Denken mit dem jüdischen Erbe in Einklang zu bringen. Eine Einleitung von mehr als 300 (Seiten entwirft das Bild des großen Philosophen, der als Arzt und Lehrer ganz im wirklichen Leben stand. Die genauen Hinweise auf Aristoteles und auf die Stellen des jüdischen Schrifttums geben der Ausgabe bedeutende wissenehaftliche Brauchbarkeit. Aber hier sei vor allem darauf hingewiesen, daß es Weiss durch ein elegantes und modernes sprachliches Gefüge gelungen ist, eine deutsche Wiedergabe des Textes zu schaffen, welche der eigentlichen Absicht des Maimonides entspricht: dem philosophisch interessierten Laien, dem Juden, der .noch einen Sinn für das jüdische Schrifttum hat, an der Hand wesentlicher Beispiele eine vemunftmäßige Erklärung der biblischen Vorstellungen zu geben. Unter den zwei Typen des Juden, von denen sich der eine zu dem religiösen Erbe mystisch, der andere rem vernunftmäßig einstellt, ist Maimonides das glänzendste Beispiel des Vernunft-Juden. Mit letzter iStrenge führt er vor allem die Reinigung des Monotheismus von jeder abergläubischen Zutat und Verbildlichung der Gottheit durch. Es braucht kaum darauf hingewiesen zu werden, daß dieses Werk durch seinen Einfluß auf das Denken der kommenden Jahrhunderte selbst wieder eine Quelle für die Kenntnis des Judentums geworden ist. Vielleicht ist es bei dem erneuerten Interesse für Maimonides nicht unwillkommen, die biographische Stelle aus einem Vortrage zu zitieren, der sich unter den (im Herbst ersoheinenden) nachgelassenen Schriften unseres Br. Univ.-Prof. Dr. J. Po Hak findet. „Am 30. März des Jahres 1135 n. Chr. in Cordova geboren, genoß Moses ben Maimon, oder wie er mit seinem langatmigen arabischen Namen heißt „Abu Amran Musa ben Maimun ibn Obeid-Allah al Kortubi", eine sorgfältige Jugenderziehung von Seiten seines hochgebildeten Vaters, der, wie seine Ahnen, das Richteramt in der damals noch so blühenden spanischen Stadt bekleidete. In das talmudische Wissen wurde er von seinem Vater, in die sogenannten exakten Wissenschaften,