B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 6 (6.1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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MONATSBLÄTTER DER GROSSLOGE FÜR DEN CECHOSLOVAKISCHEN STAAT X. I. O. B. B. JAHRGANG V. NUMMER 6. JUNI 1926. Der Führer der Unschlüssigen. Die Frage, welche seit jeher die überlieferte religiöse Anschauungswelt, den „Glauben", bedrohte, war die Versöhnung mit den Ergebnissen des systematischen Denkens, dem „Wissen". Dabei war der ..Glaubeimmer in der Defensive; er war die Instanz, die sich rechtfertigen sollte, während das „Wissen" immer die anerkannte richtende Gewalt war. -Man könnte eigentlich fragen, wozu überhaupt eine solche Verteidigung nötig sei. Gegenübefr den nachprüfbaren Tatsachen der Erfahrung, ist eine Gegenmacht unmöglich. Sowie unser Verstand nun einmal organisiert ist, kann es für ihn keine doppelte Quelle der Wahrheit geben. Erweitert sich unser Wissen oder die Überzeugung von Wissensdaten, so muß ein entgegengesetzter Glaube fallen. Denn ursprünglich wollte auch der Glaube nichts anderes bieten als ein restloses Wissen. Erst das weiter dringende Denken wurde dem alten Glauben der strengste Kritiker. Darum erscheint ja der ganze Kampf, der z. B. den Inhalt der inneren jüdischen Geschichte im vorigen Jahrhundert kennzeichnet, vergeblich und überflüssig. Indes gibt es eine Reihe von Gründen, dem „Glauben" und seinen überlieferten Dokumenten eine Sonderstellung gegenüber dem voraussetziungslosen „Wissen" einzuräumen. Der überlieferte „Glafube" ist gleichzeitig gebunden an Lebensformen, an geschichtliche Werte, an symbolische Vorstellungen und Berichte, die einen Gefühlsreichtum und eine Quelle sittlicher Kraft sondergleichen darstellen und erwecken. Dann aber bietet alles erfahrbare Wissen höchstens etwa» Segmenthaftes gegenüber dem in sich vollendeten, den Sinn alles Geschehens umschließenden Glaubensfcreis. Darum wird der Kampf zwischen Glanben und Wissen nicht aufhören, solange die Religion als Niederschlag eines Gefühles lebendig ist. Dieser Kampf ist aber auch für das „Wissen" von besonderer Bedeutung. iSo vollständig voraussetzungslos, wie es scheint, ist nämlich die Wissenschaft nicht. Will sie zu einem Weltbild gelangen, so muß sie gewisse letzte Annahmen machen, an die sie einfach glaubt, wie zL B. die Annahme, daß sich der Stoff nicht ändert, daß alles Geschehen sich notwendig vollzieht, daß es nicht sinnlos ist, das Gute