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B'nai B'rith · 1926-05-01 · 5 (5.1926) · p. Seite 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
5 (5.1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 156 (sequence 28)
Language
German
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156 aus ganz Böhmen die irdischen Überreste ihrer verstorbenen Angehörigen zur Beerdigung. Eine alte Verordnung lautet: „man solle bei Strafe Juden, die mit ihren Leichen das Land durchziehen, nicht mit Steinen bewerfen und sie nicht schlagen." Vfel später noch. 1.332. bestätig/t König Johann den K reuz :h erren vom r o t e n S t e r n, ..daß sie für jüdische Leichen, die über die Brucken gebracht werden, 72 gr. (abnehmen dürfen." Erst die neugegründete, stetig wachsende Neustadt verdrängte diesen ..Frejthof" mehr und mehr, bis er im Jahre 14 78 gänzlich aufgehoben wurde. Entweder gleichzeitig, wahrscheinlich aber später, begann eine kleine Ansiedlung von Juden im schlechtesten, oft überschwemmten Teile, der im Jahre 7 9 8 gegründeten Altstadt Prags, die Judengasse, späte* .Oldenstadt genannt. Dort lebte in Hütten und Häuschen eine anfangs ärmere Bevölkerung, Moldauschiffer. Handwerker, kleine Händler und Trödler. Diese Gemeinde wuchsheran und baute sich im 13. Jahrhundert die schöne gotische Synagoge, die viel später Alit-NeuSynagoge genannt wurde. Noch eine dritte große Ansiedlung gab es in Prag, indem vielleicht eingewanderten, vielleicht einheimischen, neue Niederlassung suchenden Juden ein Raum auf dem Kleinseitner Ufer überlassen wurde, anschließend an das damalige Dorf A u j e z d. Dort bewilligte ihnen Herzog V r a t i s 1 a v 12 Häuser, im Jahre 1067. — Die Stelle der Synagoge und des angrenzenden Friedhofes entspricht der vormaligen Magdalenenkapelle, an deren Stelle jetzt die Gendarmeriekaserne steht. Diese Gemeinde entwickelte sich rasch bis zu dem Augenblicke, da Vladisläv II. im Jahre 1140 den Prämonstratensern die Erbauung eines Klosters auf dem Berge oberhalb Aujezd, dem Petrin, gewährte. Sie nannten den Berg Z i o n und forderten als Erstes stürmisch von Vladisläv, er möge nicht zulassen, daß der heilige Name von den am Fuße des Berges wohnenden Heiden verunreinigt, werde. Die Juden wurden darauf vertrieben und zogen zumeist in die Altstadt, die übrigens damals noch Neustadt Meß, «und halfen die Judengasse zur Judenstadt vergrößern. Die Grabsteine wurden teilweise als Material zum Klosterbau verwendet und noch 200 Jahre später baute man die noch vorhandenen in die Pfeiler der steinernen Brücke ein. Als durch Karl IV. der Stadtteil auf der anderen Seite des Stadtgrabens (Pfikopy) gegründet wurde, erhielt dieser den Namen Neustadt, die frühere Neustadt den endgültigen Namen Altstadt. Auch in dieser neugegründeten Stadt erhielten nun eine Anzahl Juden die Erlaubnis, sich Häuser anzukaufen. Das Verhältnis der Juden zur übrigen Bevölkerung war lange Zeit ein gut nachbarliches, sie vermittelten den Tausch- und Handelsverkehr und bildeten endlich eine sehr schnell wachsende Gemeinde. Erst mit der Christianisierung des böhm. Volkes entstand allmählich ein Gegensatz, da die Juden nicht mehr als Fremde unter Heiden, sondern als Ungläubige unter Christen angesehen wurden. Der Herzog V1 a d is 1 a v hat den Ruhm, die erste Judenausweisung verfügt zu haben. Von 5000 Juden, die 1076 in Prag wohnten, durften nur 1000 bleiben, die anderen mußten die Stadt verlassen. Es wurde ihnen zwar bald darauf die Rückkehr wieder gestattet, aber unter schwersten und entehrenden Bedingungen.

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