B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 5 (5.1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 140 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Meinungsverschiedenheiten bestehen eigentlich nur über das Programm solcher Jugendvereinigungen. Jedenfalls müßte die Hebung des geistigen und sittlichen Niveaus unseres Stammes auch hier das treibende Motiv sein: den Auswüchsen des Sportes, dem „Rekord" müßte entgegengearbeitet, Enthaltsamkeit, Ehrfurcht, Pazifismus den Gemütern eingeprägt werden. Dann aber müßte die Jugend mit den Werten des Judentums vertraut gemacht werden. Denn das Elternhaus versagt heute und der regelmäßige Religionsunterricht hört ja gerade da auf, wo die Jugend am meisten zu beeinflussen wäre. Emil Spiegel sagte einmal: „Woran die Jugend schwer trägt, das ist die Blutleere des westlichen Judentums." Was aber ist Judentum? Ein geschichtlicher Prozeß; nicht nur etwas Gewesenes, auch etwas Werdendes. Wohl solle darum die Jugendvereinigung als solche neutral, besser gesagt: überparteilich sein, aber der einzelne solle seine persönliche, auch parteiliche, immer aber lebendige Einstellung zum Judentum haben. Manche vertreten freilich die Meinung, die Jugendvereinigung solle zu einem allgemeinen Menschheitsgedanken erziehen und schaffen einen künstlichen Gegensatz zwischen Menschheit und Judentum. Das Judentum ist aber ein Teil der Menschheit und in der Begeisterung für das Judentum liegt darum auch eine Förderung der Menschheitsideale. Br. Rudolf T eltscher hat die Anregung gegeben, die Altersgrenze für die Aufnahme in unsere Logen h e r a b z u s e t z e n , damit in den Jahren, da sich die Weltanschauung der Menschen festigt, die jungen Juden von uns Anregungen empfangen können. Dadurch würden die Jugend vereinigung-en freilich nicht überflüssig. Referent würde am liebsten die Schaffung von Jugendlogen mit eigenem Ritual begrüßen; sie sollten die Jugend zwischen 14 und 20 Jahren umfassen, durch Exkursionen, Vorträge die Gemeinschaft beleben, die selbsttätig, ohne Festlegung auf ein bestimmtes Programm (was immer zur Erstarrung führen muß) sich entwickeln würde. Nicht bloß um unsere Zukunft handelt es sich, sondern auch um unsere Pflicht der Jugend gegenüber. Das sittliche Niveau der heranwachsenden Generation zu heben, ist das dringendste Gebot der Stunde. Die Diskussion. Br. Blumenf-eld (Vertreter des deutschen Distriktes) weist auf die reichsdeutschem Jugemdvereinigungen hin und auf die iKrisiiis der deutschem Jugendbewegung, die dadurch beirvorgerufen wurde, daß die Jugendvereine eine politische Färbung annahmen. Ihre gedeihliche Entwicklung Ihänge davon ab, daß die Jugend nS!cht sich be 1 ib.isit überlassen bleibe. Br. Fuchs (Ostravila). Die Entfr enidumg vom Judentum finden wir auch unter der älterem -Generation. Deinm Religion und Tradition haben eine vollständige Wandlung erfahren. Hierzulande sei die Jugendfrage noch kritischer als dm Deutschland. Dort gebe es noch ein ..Lernen". Wir sollten der Jugend die MögLichkeit geben, die jüdische Gfisch 1 c h t e au lernen. Br. Starke miste in (Bohemiia). Nicht mtur die jüdische, die gesamte Jugemd ist beute traditionslos. Darum ist jetzt kein günstiger Zeitpunkt für die Schaffung von Jugemd Vereinigungen im unserem iSinne. In der Jugend selbst muß das Bedürfnis mach solchem Vere|imiguingem erwachen. Vom großer Wichtigkeit ist es. sein Augenmerk nicht -nur auf das Jugendalter, sondern auch auf das mi i1t1 e r e AI t er izu richten. Br. Ziegler (Karlsbad) pflichtet Br. iStarkemsitein lim seiner Beurteilung der Jugend bei, aber gerade darum dürfe man miicht warten, bis die