Mannheim
Compact Memory

B'nai B'rith · 1926-05-01 · 5 (5.1926) · p. Seite 139

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
5 (5.1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 139 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9582244-9582244-9598440-9598578--1079-9598589
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

139 ihm die einzelnen Probleme, die in unserem Distrikte auf der Tagesordnung stehen, erörtert habe. Unter Hinweis auf die mustergebende, hingebungsvolle Betätigung des Br. Schanzer, der seit Gründung des X. Distriktes durch 32 Jahre das Amt des Großvizepräsidenten bekleidet habe, beantragt er unter allgemeinem Beifall dessen E rn e n n u n g zum Ehrengroß Vizepräsidenten u n d z u m 1 e b e n 1 ä n g 1 i c h e n M i t g 1 i e d e des Generalkomitees. Referat des Br. Expr. Hoffmann über „Jugendbewegung". Der Referent erörtert zuerst die Frage: „Was ist Jugend? Er beantwortet sie so: Herrschaft des Umbedingten; der Ruf: Alles oder nichts, im Sinne Ibsens; wer (kein Kompromiß kennt, ist jung. Jugend ist also eine geistige Struktur, eine metaphysische Situation, nicht durch eine Altersgrenze bestimmbar. So wichtig die Lebenserfahrung ist, das Höchste ist sie nicht; idas Höchste ist reines Streben und Wollen. Darum wäre das Ideal menschlichen Leibens eine Synthese zwischen der Kompromißlosigkeit der Jugend und Ider Erfahrung des Alters. Was man als Jugendbewegung bezeichnet, ist sonach in doppelter Weise zu verstehen: als Bewegung derer, welche die Träger .der Zukunft werden sollen und als geistiger Ausdruck eines neuen Zeitalters. Der mächtigste Antrieb der Jugendbewegung in diesem zweiten Sinne ist der Kampf gegen den Mechanismus der Zeit. Die Jugend sucht ein neues seelisches Zentrum izu finden, in eigener Freiheit nicht aus Tradition und Vergangenheit heraus. Darum ist die Jugend kritisch, wirklichkeitshungrig; sie will lieber die Folgen falscher, aber eigener Wege auf sich nehmen, als sich blind führen lassen; Lehrende sind nur als Mitkämpfer erwünscht. Aber gerade dadurch ergilbt sich eine fast tragische Spannung zwischen der Selbstbestimmung der Jugend und der Anerkennung vergangener Erfahrung, zwischen Autonomie und Autorität: je freier die Jugend erzogen wind, desto ratloser ist sie. Es gibt nichts Glücklicheres und zugleich Unglücklicheres als die Jugend; sie hat Eigenwert und ist doch nur ein Übergang. Die deutsche Jugendbewegung war zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus patriotischen Motiven entstanden, am Ende des Jahrhunderts lebte sie aus innerer Not neu auf, hauptsächlich, um mitten im Großstadtleben den Weg aur Natur und Ursprünglichkeit finden zu lassen. So wurde der „Wandervogel" gegründet, wurden eigene Zeitschriften herausgegeben. Die jüdische Jugendbewegung bat ihre inneren und äußeren Motive. Die äußeren: die Juden wunden vom „Wandervogel" nicht aufgenommen. Die inneren: der Wille zum Judentum erwachte. Schon vor 30 Jahren hat Br. Harn b u r g e r die Schaffung einer Jugendzeitschrift angeregt. Unter Patroiianz der Logen steht heute hloß die Präger Herdervereinigung .und der Wiener Jugendbund. Es ist aber nach iden Erörterungen auf dem letzten Brudertage und im geistigen Komitee der Großloge kein Zweifel, daß die Schaffung von Jugendvereinigungen von höchster Wichtigkeit für unsere sittlichen Ideale wäre.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.