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B'nai B'rith · 1926-05-01 · 5 (5.1926) · p. Seite 135

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
5 (5.1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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135 Entwicklung erfuhr, zu tiefster Religiosität im besten Sinne des Wortes wurde. Niemals verschloß er sich der Logik, niemals blieben naturwissenschaftliche Erfahrungen für ihn bedeutungslos und doch hatte er auch nie den Zusammenhang mit dem Metaphysischen ganz verloren; wohl aber kannte er dessen Grenzen und so schied er immer scharf das Metaphysische aus luaturwissenchaftlichen Betrachtungein aus. Er 'dachte scharf und logisch naturwissenschaftlich und nicht minder scharf als Philosoph, und doch war er keiner jener Naturen, die — ach unter dem Drucke zweier Seelen in ihrer Brust zu leiden haben! Er bedurfte zu seiner Einheitlichkeit keinerlei Kompromisse. War er wohl oft damit dem einen ebenso wie dem anderen nicht ganz verständlich, ihm selbst war darauf für seine Weltanschauung kein Dilemma entstanden. Und nicht anders war es in den Fragen der Lebensanschauungen und in den Fragen im alltäglichen Leben. Mit abgeklärter Ruhe betrachtet© er alle Probleme der Gegenwart. Unberührt von stürmischen Affekten beurteilte er die Fragen der jüdischen Nationalität und suchte sie für sich mit seiner ganzen Lebensanschauung wiederum ganz konfliktlos in Einklangzu bringen. Grundlegend war für seine Einstellungdie Forderung nach Kontinuität des vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Judentums. Das Bindeglied war für ihn die Sprache, die doch wenigstens in der Lithurgie alle Juden der ganzen Erde zur Einheit verband. Wohl sah er tiefe Gegensätze zwischen religiösem und politischem Judentum, doch setzte er eine unausbleibliche Synthese für beide Richtungen in später Zukunft voraus. Religiöses Judentum bedeutete für ihn, wie schon gesagt, nie Form. Er lehnte diese vielfach sogar ganz ab. Religiöses Judentum war für ihn reinste Ethik und für diese erhoffte er eine gemeinsame Plattform für alle Schattierungen des Juden, der den ehrlichen Willen hat, Jude zu bleiben. Und diese gemeinsame Plattform war für Österreicher die liebe zum Judentum, zu semer Sprache und zu seinem Schrifttum, der Glaube und seine Entwicklungsfähigkeit, mit einem Worte das Judentum als geistiges V a t e r 1 a n d. Sprach oder schrieb Österreicher über „Kohelet" oder über „.ludendeutsch", über „Vorurteile und Intoleranz" oder über „Judenpolemik im Mittelalter", behandelte er die „Reform des Religionsunterrichtes" oder den „Antisemitismus und die Politik im alten Alexandrien", immer kam in den uns hier berührenden Fragen diese seine Lebensansöhauung zum Ausdruck. Und diese suchte er gerade im Rahmen unseres Ordens in seinem segensreichen Wirken als Obmann des Bibliotheksfcomitees, wie des Komitees für geistige Interessen oder jn dem der Iren- und Jungibrüder, ganz besonders aber als Mitglied des Redaktionskomitees unserer Zeitschrift zum Ausdruck zu bringen. Immer wieder zeigte sich das Ziel, daß er für ein Volk erstrebte: der Wille zur Macht, aber jener Macht, die sich im Wissen kundgibt und erschöpft. Je mehr ich es versuche, in den Gedankenkreis Josef Österreichers einzudringen, desto mehr zeigen sich die Probleme, desto größer wird

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