B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 5 (5.1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 136 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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136 das Vorlangen, diese eigenartige Persönlichkeit in dem hier nur durch Worte geformten Bilde festzuhalten. Wohl ward mir die Aufgabe zuteil, sein Lebensbild au zeichnen, aber gerade das viele Ungesagte macht es immer Marer, daß es hier nie gelingen kann, dieses Bild au Ende zu führen. Es bleibt eine Skizze und es kann nur schwer gelingen, Österreicher jene kennen zu lehren, die ihn im Leben nicht erkennen konnten. — Wohl drängt es mich, dein Leben, Josef Österreicher, mit dir noch weiter zu durchstreifen, aber meine Aufgabe ist (begrenzt; nicht darf ich bei dir länger hier verweilen, Abschied von dir zu nehmen ward mir zur Aufgabe gestellt. Hier an dieser Stelle sah ich dich zum erstenmal San Leben. Erwartend und grüßend umstanden dich hier die Brüder, mi denen du in treue, innige Gemeinschaft tratest, Und als hier die Festworte verrauscht waren, da ergriffst du zum ersten Male selbst das Wort. Du hattest dir zum Thema den von dir so sehr geliebten Talmudabschnitt Xesikin gewählt; von dir so geliebt, weil er doch deinen Lieblingsabsohnitt, 'die Pirke Aboth enthält. Und du wähltest idir für deine Begrüßung des Ordens in Anspielung auf seine Anfangsbuchstaben die drei ersten Traktate: Baba Komma, Baba Mezia und Baba Bathra. Baba Kamma — die erste Pforte, sie war für dich die Vorprüfung, durch die du gegangen, und Baba Mezia, durch die mittlere Pforte warst du, wie du es bezeichnetest, mit Orgelklang in den Ordenstempel eingetreten, der Tempel, der dir so reichlich segenbringende Betätigungsmöglichkeit schuf. Und in dieser Arbeit warf dich die totlache Krankheit nieder. Dein Leben, das für so viele höchstes Glück bedeutete, du empfandest es jetzt mehr, denn je. als die Vollendung eines Hiobsdaseins. Schmerz und die Unfähigkeit zur geistigen Betätigung, sie rissen dich zu dem Ausspruch hin: „Ach, ich bin so unsäglich unglücklich"; und dann wieder in stillem Selbstgespräch bekundetest du doch immer wieder deinen Willen zum Leben. Aber deine Lebenskraft war dahin, du starbst den Tod, den schweren Tod. Und als wir alle, die dich einst hier erwartend und grüßend umstanden, an deinen Sarg traten, da war es mir doch, als hörte ich dich, den Wanderer am Ziele, noch einmal deine geliebten Goetheworte beten: Der du von dem Himmel bist, Alles Leid und Schmerzen stillest, Den, der doppelt elend ist. Doppelt mit Erquickung füllest, Ach, ich bin des Treibens müde, Was soll 'all der Schmerz, die Lust. Süßer Friede, Komm, ach komm in meine Brust! — — und dann ward dir der Friede, der süße, ewige Friede. Und du zogst durch Baba Bathra, durch die letzte Pforte, mit ihm hinab. — Ruhe sanft in ihm!