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B'nai B'rith · 1926-05-01 · 5 (5.1926) · p. Seite 134

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
5 (5.1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
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134 legung der Lehramtsprüfung und Erlangung des Doktorgrades war er an den Realschulen in Auspitz. Czernowitz. Pilsen. Göding und Prag tätig. Man rühmte Österreicher im Leben, und besonders als er von uns schied, allenthalben als den vielseitigen Mann, als Träger eines direkt enzyklopädischen Wissens und seine Charakterisierung als eines ..wandelnden Lexikons" war sprichwörtlich. Und doch ist Österreicher damit nicht genügen scharf charakterisiert worden; denn für ihn galt dies alles nicht als Vielseitigkeit, für ihn war es nur Beruf. Lehrer zu sein. Scharf war für ihn der Lehrberuf von dem des Forschers geschieden. Wie wohl beide oft beruflich miteinander verknüpft werden, so ist doch hinlänglich bekannt, daß die eine Seite dieses Berufes nicht notwendige Voraussetzung oder auch nur Eignung für die andere Seite bedeuten muß. Für Österreicher gab es zunächst nur e i n e Voraussetzung für seinen Lehrberuf: umfangreiches Wissen, weniger um es in den Dienst der Forschung zu stellen, als um es reproduktiv verwerten zu können. Und doch war diese Reproduktion keine mechanische Wiedergabe. Für Österreicher gab es kein jurare in verba magist ri, kein blindes ..Schwören auf übernommene Lehrmeinung" und so hat seine strenge Kritik, die er an allem übte, sein Wissen und seine Lehren mit einer scharf pointierten persönlichen Note versehen. Über dieses enorme, profunde Wissen braucht hier nichts weiter mehr gesagt werden. Wir alle wissen, daß es nicht nur für die Schüler der Schulbank bestimmt war: sein Schülerkreis war groß und wir alle durften uns zu ihm zählen, wir durften sein Können an uns selbst miterleben. Es wäre verständlich, daß ein Mensch, der seine Lebensaufga.be nur darin sieht, viel Wissen zu erwerben, zu keiner scharf umschriebenen Welt- und Lebensanschauung gelangt. Aber scharfe Kritik, mit der Österreicher alles Wissen aus Gegenwart und Vergangenheit, aus Geistes- und Naturwissenschaft, aus Musik und Kunst und aus all den vielen Zwischengebieten in sieh aufnahm, schuf ihm auch eine scharf ausgeprägte Weltanschauung. Sein Wesen war freilich zu sehr Komplexnatur, als daß er allenthalben klar verstanden werden konnte. Nichts charakterisiert ihn in dieser Beziehung besser, als die ausgesprochene Gegensätzlichkeit der Meinungen, die in Freunde- und Bruderkreisen über ihn bestand. Unser unvergeßlicher Bruder Emil Spiegel war es, der Österreicher in unseren Kreis brachte und so erscheint es verstaudlichj daß die Welt- und Lehensanschauung der beiden oft gleichartig betrachtet wurde. Und doch, wie verschieden waren die beiden in Wirklichkeit! Wie klar und einfach war Spiegel zu beurteilen, gegenüber dem ihm in vielem gleichen, in vielem aber grundverschiedenen Österreicher. Gerade die Schwierigkeit der Erfassung von Österreichers tiefem Wissen machte es verständlich, daß er von den einen als tief religiös und von anderen als Freigeist bezeichnet wurde. Mit kindlicher Liebe und Pietät hing er an der Tradition des Elternhauses. Diese Tradition mußte aber bei Österreicher notwendigerweise alle äußere Form verlieren, während ihr Inhalt höchste

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