B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 5 (5.1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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133 Josef Österreicher, Ein Nachruf von Univ.-Prof. Dr. Emil Starkenstein. Br. Pro f. Dr. Österreicher, der gültige Meiniscih, de<r feine Ironiker, der Schiatzmieisiter eines ungeheueren Wissens, ist seinen* schwerem KiTamklheiit eategem. Unsere Zeitschrift verliert dm ühan einem treuem Mitarbeiter, unser Redafctionskotti'itee ein bewährtes Mitglied. Bei der Trauerfeiieir Widmete Br. Starkensleki dein Freunde folgende Worte: Wann immer mit Orgelklang und Trauerroden das Andenken eines Toten ehrend gefeiert wind, dann kommt mir die Frage in den Sinn: kann eine solche Feier überhaupt ihren Zweck erfüllen? Voraussetzung für eine große Trauerfeier ist immer der Hingang einer „Persönlichkeit"; denn wenn es anders wäre, wären dann die großen Worte wirklieh der Spiegel des geleibten Lebens? Und war der Dahingegangene eine Persönlichkeit, dann hat er in seinem Erdendasein mehrere Leben geleibt: ein Leben als Kind, eines als Gatte, eines als Bruder unter Geschwistern, eines als Freund unter Freunden. Und ist es dann möglich, daß Worte eines Nachrufes solchem Leben in seiner Gesamtheit gerecht wenden können? Ist es da möglich, ein Leiben zu erfassen, das Jahrzehnte gedauert hat und an dem wir selbst kaum mehr als vier Jahre teilgenommen haben? Alle diese Schwierigkeiten weichen, wenn es sich um eine Persönlichkeit handelt, die hier in wenigen Jahren Arbeit schaffte, die anderen nicht in Jahrzehnten gelingen mag. Und es wird noch leichter, für ein solches Bild die wirklichen, warmen Lebenszüge zu finden, wenn das in diesem Kreise schnell verbrachte Leben der Spiegel des wirklichen Lebens war, das der Dahingegangene auch draußen in der Welt gelebt hat. Trat so unser teurer Freund und Bruder Joseph Österreicher spät am Nachmittage seines Lebens zu uns, er gibt uns so doch die Möglichkeit, den Weg mit ihm zu wandern, den er am frühen Morgen angetreten hat und auf dem er bei seiner Lebenswanderung zu uns gelangte. Am 14. März 1869 war Österreicher in Wien als Sohn eines Religionslehrers geboren. Er genoß frühzeitig im Elternhause gründlichen hebräischen Unterricht und kam schon mit festem Sinn für Gründlichkeit im Lernen an das berühmte Sperlgymnasium in Wien. Während seiner ganzen Mittelschulzeit widmete er täglich mehrere Stunden dem hebräischen Schrifttum und in späteren Jahren pflegte er, der auf allen Gebieten bewanderte, oft zu sagen, daß ihm nichts so teuer sei, wie sein jüdisches Wissen. Nach der Matura wählte er moderne Philologie (Französisch und Deutsch) zum Berufsstudium. Nach Ab-