B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 4 (4.1926)
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 124 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Tiefe klar und voller Schwung geschriebenen Artikel — die unseres Bruders Weltseh, sind fein zergliedernd, die Brods erfüllt von künstlerischen Apercus — wird jeder mit Bereicherungseiner sittlichen Lebensanschauung lesen. f. t. Menorah Jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur. (Wien. Frankfurt a. M. — Geschäftsstelle. Wien 1/1. Fach 161. vierteljährlich 30 Kc). ' Diese ausgezeichnet geleitete Monatsschrift, die nunmehr im IV. Jahrgang steht, bedarf für denjenigen, der sie einmal in die Hand genommen hat. keiner weiteren Empfehlung. Sie verfügt über treffliche Mitarbeiter, aller jüdischer Parteien, ist sehr gut gedruckt, bringt eine Fülle von Bildern und ist vor allem sehr amüsant. Das M ä r z h e f t ist aus Anlaß der Hundertjahrfeier des Wiener Stadttempels als Sonderheft erschienen. Dr. G r ü n w a 1 d bringt eine interessante Studie über ..die Wiener Juden 1826—1926"; der Kunsthistoriker Prof. Eisler erzählt an der Hand von Bildern die Geschichte des Seitenstetter Tempels: über die 3 großen Kanzelredner Mannheimer. Jellinek, Güdemann berichtet in sehr fesselnder Weise Dr. Rosenui a n n; Paul W e r t h e i m e r zeigt den Anteil der Wiener Juden an der Literatur auf. Dr. Rosenfeld bespricht die Gründungsgeschichte der wiener Religionssehule. Dr. Kristin, n p o 11 e r die Bibliothek der Wiener Kultusgemeinde. Dr. Bronn e r die sakrale Kunst im Wiener Stadttempel. Fast alle Artikel sind reich, illustriert. Die April- X u m m e r bringt einige interessante Bilder und Aufsätze zum Pessahfest. ferner 6 Kunstbeilagen nach Bildern von Tgnaz Kaufmann und der früh verstorbenen Malerin Meüy Jose p h, Erzählungen von Esriel C a r 1 e b a c Ii und Elna Ried. Bilder der 7 Stadttore Jerusalems, eine historische Skizze von dem berühmten Historiker D u b n o w. ein Essay W e i sl s über Moliere in Jerusalem, ein Schachreferat von Richard R e 11, einen Anhang: Für unsere Kleinen. in einem Geleitwort sagt Großpräsident Hofrat Ehr mann: „Welchen Sinn hat eine speziell jüdische Kunstzeitschrift? ihre Funktion kann darin bestehen, daß sie das Jüdische der Vergangenheit und Gegenwart im Fühlen, Denken und Vorstellen der Vergessenheit entreißt, dem Besonderen der künstlerischen Begabung, dem künstlerischen Ausleben des Juden eine Tribüne bietet, in der Mannigfaltigkeit der künstlerischen Äußerungen der Menschheit eine besondere Tonart darstellend/' Lion Feudhtwanger: Jud Süß. (Drei Masken-Verlag, München.) Die Freude am Geschichtlichen, durch die Erlebnisse der letzten Jahre gesteigert, scheint der Grund für die heutige Beliebtheit der historischen Romane. Jud Süß, dieses Ungeheuer an Gescheitheit, Herzlosigkeit und Sentimentalität, der als Hofjude des Herzogs von Württemberg die Zügel der Regierung des ganzen Landes in Händen hat, ist seiner Abstammung nach gar kein Jude, sondern der Sohn eines deutschem Adeligen. Wir atmen erleichtert auf, als wir dies in der zweiten Hälfte des Buches erfahren, froh, ums nicht identifizieren zu müssen und sind doch tief gerührt von dem Schicksale und der Charakterentwicklung dieses ungewöhnlichen Menschen, der das Joch des Judentums freiwillig trägt, weil er auch dessen Kostbarkeiten begreift. Wer ein plastisches Bild vom Leben im dem deutschen Kleinstaatem zur Zeit Prinz Eugens gewinnen will, der lese dieses spannende Buch eines großen Erzählers. n. e. Jakob Wassermann: Laudin und die Seinen. (S. Fischer. Vertag. Bertling Der Meister des Roman es wirft in seinem neuen Buche dasjenige Problem auf. das heute als das Problem der Gesellschaft bezeichnet werden muß: die moderne Ehe. Und dieses eine Thema erfüllt in unzähligen Variationen ganz ausschließlich das Werk. Dr. Laudin, der berühmte, scharfsinnige, menschlich sympathische Wiener Rechtsanwalt, ist Spezialist für Ehescheidungen und damit wissender Zeuge ungezählter Tragödien. Trotzdem fällt er