B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 4 (4.1926)
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 120 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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120 losophisöhe Lehre, sondern als lebendige Bewußtseinstatsäche erkennt, beginnt man ihim wieder furchtlos einen Lebenswert zu geben. Und damit löst sich allmählich der zermürbende und hemmende Krampf der Verdrängung. Seelische Gesundung aber ist die Voraussetzung jeder Sittlichkeit. UMSCHAU. Die Widerstände gegen die Psychoanalyse. In der großen Zeitschrift ..La Revue Juive", an der die bedeutendsten Juden aller Länder mitarbeiten, veröffentlichte Sigmund Freud einen Artikel über die Gründe des Widerstandes, den die Psychoanalyse namentlich in ihren Anfängen erfahren hat. Der Artikel erschien jüngst (deutsch) in der von Freud herausgegebenen Zeitschrift ..Imago". Darin heißt es: ..Die Mediziner waren in der alleinigen Hochschätzung anatomischer, physikalischer und chemischer Momente erzogen worden. Für die Würdigung des Psychischen waren sie nicht vorbereitet, also brachten sie diesem Gleichgültigkeit und Abneigung entgegen. Offenbar bezweifeln sie, daß psychische Dinge überhaupt eine exakte wissenschaftliche Behandlung zulassen. In übermäßiger Reaktion auf eine überwundene Phase, in der die Medizin von den Anschauungen der sogenannten Naturphilosophie beherrscht wurde, erschienen ihnen Abstraktionen, wie die. mit denen die Psychologie arbeiten muß. als nebelhaft, phantastisch. mystisch: merkwürdigen Phänomenen aber, an welche die Forschung hätte anknüpfen können, versagten sie einfach den Glauben. Die Symptome der hysterischen Neurose halten sie als Erfolg der Simulation, die Erscheinungen des Hypnotismus als Schwindel. Selbst die Psychiater, zu deren Beobachtung sich doch die ungewöhnlichsten und verwunderlichsten seelischen Phänomene drängten, zeigten keine Neigung, deren Details zu beachten und ihren Zusammenhängen nachzuspüren. Aber dafür, sollte man meinen, hätte die neue Lehre um so leichter den Beifall der Philosophen finden müssen. Aber da traf sich ein anderes Hindernis. Das Psychische der Philosophen war nicht das der Psychoanalyse. Die Philosophen heißen in ihrer überwiegenden Mehrzahl psychisch nur das, was ein Bewußtseinsphänomen ist. Die Welt des Bewußten deckt sich ihnen mit dem Umfang des Psychischen. Was sonst noch in der schwer zu erfassenden ..Seele'" vorgehen mag, das schlagen sie zu den organischen Vorbedingungen oder Parallelvorgängen des Psychischen. Die erörterten Verhältnisse reichen hin. um einen unwilligen und zögernden Empfang der Analyse in wissenschaftlichen Kreisen zu erklären. Sie lassen aber nicht verstehen, wie es zu jenen Ausbrüchen von Entrüstung, von Spott und Hohn, in der Polemik kommen konnte Eine solche Reaktion läßt erraten, daß andere als bloß intellektuelle Widerstände rege geworden sind. Ihr Ansatz ist nicht schwer zu finden. Die menschliche Kultur ruht auf zwei Stützen, die eine ist die Beherrschung der Naturkräfte, die andere die Beschränkung unserer Triebe. Gefesselte Sklaven tragen den Thron der Herrscherin. Unter den so