B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 4 (4.1926)
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 118 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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118 „La revolte des aoges", „Phantasie und Kjunst". Für alle diese interessanten und lehrreichen Vorträge, deren jeder für die Brüder ein Erlebnis darstellt, sei ihm an dieser Stelle der innigste Dank ausgesprochen. Freud hatte schwere Arbeit seine Lehre durchzusetzen, und noch heute hat er viele Gegner, dafür aber zahllose Anhänger in der ganzen Welt, insbesondere in den angelsächsischen Ländern und Frankreich, aber keiner seiner wissenschaftlichen Gegner kann ihm ein persönlicher Feind sein, denn er ist ein so liebenswürdiger durchaus wahrer Mensch, den trotz des Bewußtseins etwas Großes geleistet zu haben, eine rührende Bescheidenheit auszeichnet, die ihn in den Schlußworten seiner Selbstbiographie kennzeichnet: „So kann ich denn rückschauend auf das Stückwerk meiner Lebensarbeit sagen, daß ich vielerlei Anfänge gemacht und manche .Anregungen ausgeteilt habe, woraus dann in Zukunft etwas werden soll. Ich kann selbst nicht wissen, ob es viel sein wird oder wenig." Wir, seine Brüder der „Wien" und des ganzen Bundes, können stolz sein, einen solchen Mann, eine Zierde der internationalen Wissenschaft, einen Heros der Menschheit, zu den Unseren zählen zu dürfen. Er bleibe schaffensfreudig und gesund ad multos annos! Verdrängtes Judentum. Von Friedrich Thieberger. Der Psychoanalyse ist der „Vorwurf" gemacht worden, 'daß sie eine jüdische Angelegenheit sei; nicht nur ihr Schöpfer sei Jude, auch die vorzüglichsten Propagatoren seien Juden. Nun trat ja die neue Lehre zunächst als Neurosenlehre auf und es ist bekannt, daß ebenso unter (den Nervösen wie unter «den Nervenärzten ein unverhältnismäßig großer Teil Juden sind. Es wäre darum weiter nicht verwunderlich, daß so viele Juden sich gerade mit den Freudschen Problemen befaßt haben. Aber es bleibt auffallend, daß die Ausdehnung der psychoanalytischen Methode auf die Gebiete der Kunst und Religion, also auf die allgemeinen Gebiete des geistigen Lebens, gerade von Juden sehr rasch versucht wurde und daß es dem jüdischen Menschen leicht entgegenkommt, die Tatsachen des normalen Lebens anders zu sehen als sie erscheinen, das heißt, sie aus einem geheim verdeckten Grunde zu enträtseln. Die Psychoanalyse ist nicht etwas Jüdisches, nur trifft sie den rweist europäischen Juden in einem Bewußtseinsstand, der ihrem Verstehen aufgetan ist. Das Wesentliche der Lehre Freuds ist die Erlkenntnis, daß in uns Menschen zwei Sphären, die des Bewußten und des Unbewußten, wirksam sind und daß erst aus ihrem Wechselspiel sich die Tatsachen unseres geistigen Lebens ergeben. Was wir nicht in der Helle des Bewußtseins vertragen, das verdrängen wir in die dunkle Sphäre