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B'nai B'rith · 1926-04-01 · 4 (4.1926) · p. Seite 116

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
4 (4.1926)
Date
1926-04-01
Page
Seite 116 (sequence 30)
Language
German
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116 Bruder Freud. Von Dr. Edmund Kohn <Wien>. Sehr gerne entspreche ich Ihrem Wunsche, einige Zeilen für die Freud-Nummer Ihrer Monatsschrift zu schreiben, will jedoch nicht über Sigmund Freud als Pfadfinder und Meister seiner Disziplin sprechen, da ich mich hiezu nicht berufen fühle, vielmehr als Bruder, den ich hoch verehre, bin ich doch stolz darauf zu den wenigen zu gehören, welche die einzige Erholungszeit, die er sich gönnte, den Samstag- Abend in seiner Gesellschaft verbringen konnten. ■Die biographischen Daten entnehme ich der im Jahre 1925 bei Felix Meiner (die Medizin der Gegenwart) erschienenen Selbstbiographie. Geboren am 6. Mai 1856 in Freinberg in Mähren, kam er als Kind nach Wien, absolvierte hier alle Schulen, war durch sieben Jahre des Gymnasiums „Primus" und besaß schon damals eine Bibliothek, um die ihn seine Mitschüler beneideten. 1873 bezog er die Universität in Wien, arbeitete 1876 bis 1882 im physiologischen Institut Bruiefce's und wurde 1881 zum Med. Univ. Dr. promoviert, 1885 war Freud Dozent für Xeuro-Pathologie, ging dann für längere Zeit nach Paris zu Gharcot, von dort über Berlin — Baginsky — nach Wien, wo er am Institut des Professors Kassowitz praktisch arbeitete. 1886 heiratete er und etablierte sich in Wien. 1891 erschien seine Arbeit über Gehirnlähmungen bei Kindern, zusammen mit Dr. Oskar Rie (jetzt Br. der W. Eintracht), 1893 begannen seine ersten Arbeiten und Veröffentlichungen mit Dr. Josef Breuer. 1895 erschienen seine Studien über Hysterie und damit begann schon die Zeit, in welcher Freud «las eigene Gebiet der Psychoanalyse schuf und dann weiter ausbaute. Die Leser Ihrer Monatsschrift, die lieben Brüder dürfte es nun interessieren, wie Bruder Freud, der heute einer der hervorragendsten Menschen der ganzen Welt ist, sich im Orden und zum Orden stellt. Schon im Jahre 1895 fand ich Gelegenheit, ihn auf unseren Bund aufmerksam zu machen, doch trat er erst am 29. September 1897 in die ..Wien" ein. Noch im selben Jahre, am 7. Dezember hielt er seinen Vortrag über „Traumdeutung", der dann eine Fortsetzung erhielt. Von Anfang bis zum Ende lauschte jeder Anwesende mit gespanntester Aufmerksamkeit den Worten Freuds, der uns das damals neue Resultat seiner Studien nicht nur in formvollendetster, sondern auch in einer für jedermann leicht verständlichen Weise erläuterte. So wie Freud ein selbstbewußter Jude ist, so stellte er sich auch vom ersten Tage an ganz in den Dienst der Loge. Sehr selten versäumte er eine Sitzung, beteiligte sich rege an den Diskussionen und an den Komiteearbeiten. Er war durch viele Jahne Mitglied des Komitees für die geistigen Interessen, auch Obmann desselben, sowie des Friedenskomitees und Recherchenkomitees. Er gehört zu jenen Brüdern, die von allen Mitgliedern der „Wien" hochverehrt, geschätzt und geliebt werden, worüber niemand erstaunt sein wird, der .Gelegenheit hatte, mit ihm in näheren Verkehr zu treten oder ihn am Vortragstisch zu hören, denn sein angenehmes Organ, seine Art auch über die schwierigsten Themen allen verständlich zu sprechen, sein immenses allgemeines Wissen und

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