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B'nai B'rith · 1926-04-01 · 4 (4.1926) · p. Seite 111

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
4 (4.1926)
Date
1926-04-01
Page
Seite 111 (sequence 25)
Language
German
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111 einen Weg zur Beschäftigung mit der Seele gefunden hat. Er ist der Pfadfinder für einen neuen Zweig der Seelenfors(;hung geworden. Er hat mächtige Anregung zum Studium wichtiger Fragen der Seelenlehre gegeben; die sogenannte „verstehende" Psychologie hat von ihm ihren Ausgang genommen. Seine Lehre ist originell und geistreich, sie imponiert als ein umfassendes, in sich abgeschlossenes System und wirkt dadurch auch ästhetisch. Nicht vergessen sei des Mutes Freuds, mit dem er insbesondere seine Sexualtheorie vertrat, mit welchem Freimut er üiber Dinge sprach, die ja menschlich sind, die aber ein Muckertum verfehmt hatte. Darin ist er geradezu vorbildlich. Nicht zuletzt verdankt Freud seine Popidarität seiner packenden Darstellungsiweise und den treffenden Auwdrücken, die er geprägt hat, die in ihrer Plastizität den Leser fesseln und ihm die schwierigsten Dinge klar erscheinen lassen. Freuds Lehre liat sieh über die ganze Welt ausgebreitet. Und fragt man sieh nach der Ursache dieser Popularität, so muß man sie wohl darin sehen, daß seine Lehre unserem Zeitgeiste entspricht. Das Oh a r a k t e r i s t i s c h e unserer Zeit ist die E i ns t e 11 u n g auf das Geistige. Aus dieser Einstellung auf das Geistige ist die Lehre Sigmund Freuds geboren und da sie aus diesem Zeitgeiste geboren ist, ist sie ihm vertraut und hat beim Volke Verständnis und Entgegenkoinmen gefunden. Der sittliche Gehalt der Lehren Freuds. Von. Dr. Eduard HitsAmann <Wien>. Die Naitur ist eine Orgel, auf deir unser Herrgott spielt, aber der Teufel tritt die Bälge. Goethe. Die Beantwortung der Frage nach dem sittlichen Gehalt der Lehren Freuds kann in einer raumbeschränkten Gelegenheitsarbeit keineswegs ausreichend gegeben werden. Da der voraussetzungslose Forscher zunächst nichts sucht als die Wahrheit, nichts suchen kann und darf als immer nur die Wahrheit, ist diese Frage eine erst sekundäre; ihre Berechtigung beweist aber die Bedeutung, welche die Lebensarbeit dieses unermüdlichen, genialen Forschers gewonnen hat, sowie den Umfang ihrer Auswirkungen. Es hat tatsächlich Dunkelmänner gegeben, welche Freud den Schierlingsbecher reichen wollten und sich gehärdeten, als ließe sich eine Naturuntersuohung mit dem Bann belegen. Die Psychoanalyse hat gezeigt, daß dunkle, aus dem Organischen stammende T ri e ib r e gu n g e n in der Entwicklung des Einzelnen und der Menschheit der Verdrängung verfallen, den Kern des eigentlich Unbewußten bilden, stets bereit ihre Ansprüche geltend zu machen

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