B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 4 (4.1926)
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 109 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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109 sich den Mann durch die Mitgift erkauft. Der Traum soll also die Gern ig1 Schätzung ihres eigenen Mannas und das Bedauern, so früh geheiratet zu halben, ausdrücken. Tu diesen Beispielen kann man. wenn auch nur angedeutet, ein besonderes Charakteristikum der Freudischen Lehre bemerken. Freud ist nämlich sehr früh im Verlaufe seiner Forschungen zu der Ansicht gekommen, daß den Kraiiklleitw<»rscheiuungen der Hysterie ebenso wie den Träumen sexuelle Motive zu Grunde liegen. Nach Freud ist jeder Traum eine Wunscherfülking. Hinter jedem Traume stecke ein unerfüllter, verdrängter Wunsch sexuellen Inhaltes. Aiber selbst im Tramm, wo das Bewußtsein schläft, könne sich dieser Wunsch nicht offen und gerade äußern, so wie er lautet. Das Bewußtsein schlafe doch nicht ganz, es kontrolliere auch im Schlafe das Unibewußte und übe eine Art ..Zensur " darüber aus. So komme es, daß die unbewußten Wünsche sieh im Traume nur symbolisch verhüllt darstellen. Freud lehrt also, daß es neben dem bewußten Seelenieiben ein unbewußtes gebe. Unliebsame, peinliche Erlebnisse, die innerlich nicht erledigt werden, werden ins Unibewußte verdrängt und dadurch vergessen. Aber trotzdem können diese verdrängten Vorstellungen aus dem Unlbewußten heraus weiter wirken, z. B. beim Normalen, wie wir gesehen haben, im Versprechen, Vergessen und im Traume. In der Krankheit, bei der Hysterie wandeln sich diese verdrängten Vorstellungen in Krankheitserscheinungen um. Wie wir am Traume gesehen haben, geschieht dies in symbolischer Weise. Auch in der Krankheit ist es so. Z. B. kann eine hysterische Kranke, die einen moralischen Fehltritt in Gedanken (begangen hat, nun zu hinken anfangen. Da man einen Fehltritt mit dem Fuße macht, steht hier das Hinken symbolisch für den moralischen Fehltritt. |f>' Wie schon gesagt, lehrt Freud, daß den Träumen sexuelle Wünsche zu Grunde liegen und ebenso sind die Ursachen der hysterischen Krankheitserscheinungen nach seiner Überzeugung stets sexuelle Erlebnisse, n. zw. aus der frühesten Kindheit. Denn die Sexualität beginnt nach Fremd schon beim Säugling. Zuerst werde der eigene Körper des Kindes zum Sexualobjekt, dann wählt es zum Sexualziel ein Objekt beziehungsweise eine Person außerhalb seines Körpers und wendet sich natürlich zuerst an seine Eltern. Der Knabe nehme seine Mutter zum Sexualziel, das Mädchen den Vater. Freud spricht vom Ödipuskomplex; denn Oedipus erschlug seinen Vater und heiratete seine Mutter, ahnungslos in Erfüllung eines Orakelspruches. Erst später wendet das Kind seine Sexualliebe fremden Personen zu. Gelangt diese Entwicklung nicht bis an das normale Endziel, sondern bleibt sie auf einer der kindlichen Stufen stehen, so kommt es zu den sexuellen Perversionen. Die Menschen erkranken, wenn ihnen infolge äußerer Hindernisse die Befriedigung ihrer erotischen Bedürfnisse in der Wirklichkeit versagt ist. Sie flüchten sich dann in die Krankheit, um mit Hilfe dieser Krankheit eine Ersatzbefriedigung für das Versagte zu finden. Der Kranke hält an diesen Krankheitserscheinungen fest, ja er leistet Widerstand, sie aufzugehen; er will auf die Ersatzibefriedigung nicht ver-