B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 4 (4.1926)
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 108 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Das waren Beispiele der ersten Gruppe, der Fehlleistungen. Nun zwei Beispiele der zweiten Gruppe, der Träume. Sie werden auch am besten den technischen Vorgang bei 'der Psychoanalyse veranschaulichen. Jemand erzählt seinen Traum: Sein Onkel raucht eine Zigarette, obwohl es Samstag ist. Eine Frau streichelt und liebkost ihn wie ihr Kind. Zum ersten Bilde bemerkt der Träumer (Jude), sein Onkel sei ein frommer Mann, der etwas derart Sündhaftes nie getan hat und nie tun würde. Zur Frau fällt ihm nicht« anderes ein als seine Mutter. Freud deutet diesen Traum so: Diese beiden Bilder sind offenbar in Beziehung zu einander zu setzen. Aber wie? Da der Träumer das, was er vom Onkel geträumt hat, in der Wirklichkeit für unmöglich erklärt, so liege es nahe, meint Freud, ein ..wenn" einzufügen. Die Erklärung des Traunies wäre also nach Fremd folgende: Wenn mein Onkel, der heilige Mann, am Samstag eine Zigarette rauchen würde, dann dürfte ich mich auch von meiner Mutter liebkosen lassen. Das hieße offenbar: das Kosen mit 'der Mutter sei auch etwas Unerlaubtes wie das Rauchen am Samstag für den frommen Juden. Ein zweites Traumbeispiel: Eine junge, aber schon seit vielen Jahren verheiratete Dame träumt, sie sitze mit ihrem Manne im Theater, eine Seite des Parketts sei ganz unbesetzt. Ihr Mann erzählt ihr, Elise L. und ihr Bräutigam hätten auch gehen wollen, hätten aber nur sohlechte Sitze bekommen, drei für 1 fl. 50 und die konnten sie ja nicht nehmen. Sie meint, es wäre auch kein Unglück gewesen. Die Einfälle der Träumerin dazu: sie gibt an, ihr Mann habe ihr wirklich erzählt, daß Elise L., eine ungefähr gleichaltrige Bekannte, sich jetzt verlobt hat. Weiters hat die Träumerin tatsächlich vor einiger Zeit sehr vorzeitig Theaterkarten genommen, so daß sie Vorverkaufsgebühr hatte zahlen müssen. Dann war eine Seite des Parketts leer gewesen. Ihr Mann hatte sie wegen dieser Voreiligkeit geneckt. Woher die 1 fl. 50 im Traume? Ihre Schwägerin hatte von ihrem Manne die, Summe von 150 fl. zum Geschenke bekommen und hatte nichts Eiligeres zu tun, die dumme Gans, als zum Juwelier zu laufen und das Geld gegen ein Schmuckstück einzutauschen. Die Träumerin verweigerte dann alle weiteren Einfälle und Auskünfte. Freud deutet den Traum so. Zunächst fällt auf, daß viele Zeitbestimmungen vorkommen: sie hat die Theaterkarten zu früh besorgt, voreilig genommen. Die Schwägerin hat sich beeilt, ihr Geld zum Juwelier zu tragen. Nehmen wir zu dem so betonten „zu früh", „voreilig" die Veranlassung des Traumes hinzu, nämlich die Nachricht, daß die nur um drei Monate jüngere Freundin jetzt doch einen tüchtigen Mann bekommen hat, und den Satz: es sei unsinnig, sich so zu übereilen, so ergibt sich wie von selbst folgende Deutung des Traumes: Es war doch ein Unsinn, mich mit der Heirat so lau beeilen. An dem Beispiel dfer Elise sehe ich, daß ich auch noch später einen Mann bekommen hätte. Freud setzt die Deutung noch fort. Und einen hundertmal besseren hätte ich für das Geld bekommen (wie 150 fl. hundertmal mehr ist als 1 fl. 50). Für das Geld setzt Freud die Mitgift ein, was hieße, daß man