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B'nai B'rith · 1926-04-01 · 4 (4.1926) · p. Seite 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
4 (4.1926)
Date
1926-04-01
Page
Seite 107 (sequence 21)
Language
German
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107 Freud ist aber im weiteren Verlaufe seiner Forschungen bei dieser Anschauung nicht stehen geblieben. Aus seinen späteren Erfahrungen kam er dazu, die Hypnose für die Erreichung seines Zweckes für unnötig zu halten. Es gelinge auch mit einer anderen geeigneteren Methode, zum Ziele zu kommen. Der Patient wird in einem ruhigen Zimmer, in bequemer Lage und mit geschlossenen Augen — damit er nicht durch äußere Eindrücke abgelenkt wird — auf ein Sofa gelegc. Und dann soll er alles aufrichtig und kritiklos sagen, was ihm gerade einfällt. Diese ..freien Einfälle" führen, so behauptet Freud, immer zu jenem verdrängten, vergessenen Erlebnis im Unbewußten. Diese Methode besteht also darin, daß man den Patienten in eine Situation bringt, wo er von allen äußeren Eindrücken soviel als möglich losgelöst ist. wo er von keinen äußeren Eindrücken abgelenkt wird. In dieser Situation, in dieser Konzentration nach innen wird der Patient aufgefordert, ..aufrichtig und kritiklos" (dies sind Freuds eigene Worte) alles zu sagen, was ihn zu denken ankommt. Diese Methode ist die eigentliche Psychoanalyse. Freud nahm aber weiter an, daß die Gesetzmäßigkeiten, die er an Kranken gefunden hatte, auch für den Normalen gelten. Dazu haben ihn zweierlei Erscheinungen des normalen Seelenlebens veranlaßt. Die eine Gruppe dieser Erscheinungen sind Fehler im Sprechen, das Versprechen, das Vergessen bestimmter Worte oder Ereignisse (F e h 11 e i s t u n g e n nennt Freud zusammenfassend alle diese Erscheinungen) und die andere Gruppe ist das Gebiet der Träum e. Einige Beispiele, die verschiedenen Büchern Freunds entnommen sin k Ein Beispiel von Versprechen: Jemand erzälilt von Vorgängen, die er in seinem Innern für Schweinereien hält, er sucht aber nach einer milden Form und beginnt: ..Dann aber sind Tatsachen zum Vorschwein gekommen." Ein geldbedürftiges Mitglied eines Vereines hat um ein Darlehen eingereicht und sagt dann in einer Rede: „Die Herren Vorschuß mitglieder" statt Vorstands- oder Ausschußmitglieder. Ein Beispiel für Vergessen: Ein Herr Y verliebte sich erfolglos in eine Dame, welche bald darauf einen Herrn X heiratete. Trotzdem nun Y den X schon seit geraumer Zeit kennt, vergißt er immer und immer wieder seinen Namen. Freuds Erklärung: Herr Y will offenbar von seinem glücklichen Rivalen nichts wissen. „Nicht gedacht soll seiner werden." Die populäre Auffassung stimmt hier mit der psychoanalytischen üherein. Das Vergessen ist deshalb in der Gesellschaft wie beim Militär verpönt. Ein Beispiel von Verlieren: Jemand verliert seinen Crayon, der ihm sehr lieb gewesen war. Tags zuvor hatte er von dem Geber dieses Geschenkes einen unfreundlichen Brief erhalten. Mau verliert, verlegt Gegenstände, lehrt Freud, wenn man sich mit dem Geber verfeindet hat öder auch, wenn man sie selbst nicht mehr mag und sich einen Vorwand schaffen will, sie dnreh andere %u ersetzen.

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