B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 3 (3.1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 76 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Stens einmal in der Woche an einem bestimmten Tage in Esperanto zu senden, womöglich auch radiotelephonisch Esperantounterricht zu vermittein. Heute gibt es bereits mehr als 80 Stationen, von denen aus in Esperanto gesendet wird: als vor kurzem der radiotelephonisehe Esiperantounterrieht in Leipzig eröffnet wurde, sind am selben Tage in Leipzig über 1000 Lehrbücher gekauft worden. Als zeitlich letzten, in seiner Bedeutung hervorragenden Vorstoß der Esperantobewegung nenne ich die im Mai 1925 abgehaltenen Konferenzen in P a r i s, eine wissenschaftliche und eine Handelskonferenz, die erstere veranstaltet von der internationalen wissenschaftlichen Gesellschaft unter der Patronanz verschiedener berühmter Mitglieder der französischen Akademie der Wissenschaften, die zweite einberufen von der Pariser Handelskammer und der Pariser Mustermesse, beide mit dem Zwecke der Stellungnahme zum Esperanto. Die feierliche gemeinsame Eröffnungssitzung beider Konferenzen zugleich fand am 14. Mai in der Sorbonne unter dem Vorsitze des berühmten französischen Gelehrten und Pazifisten Gbarles Eichet statt, der seinem Bedauern darüber Ausdruck gab, daß er selbst noch nicht Esperanto spreche und sich zum ersten Male in seinem Leben schämen müsse, französisch zu sprechen. Aus den Verhandlungen der Handelskonferenz sei nur die Mitteilung des Vertreters des Handelsministers hervorzuheben, daß in Frankreich Esperanto im Post- und Telegraphenwesen allen anderen Sprachen gleichgestellt ist und daß die Regierung beabsichtige, bei der nächsten Konferenz der Weltpostunion allen anderen Staaten dasselbe vorzuschlagen. Mittlerweile hat die Konferenz der Weltpostunion stattgefunden und der Antrag der französischen Regierung wurde daselbst zum Beschlüsse erhoben. Schließlich sei noch der internationalen S o m m e r u n i v e r s i t ä t im Genf 1925 Erwähnung getan. Hier will ich mich darauf beschränken, mitzuteilen, daß es gelungen ist. die Vorträge der internationalen Sommer Universität (die bekanntlich von dem belgischen Gelehrten Lafontaine nach dem Kriege gegründet wurde mit dem Zwecke, Professoren und Studenten der verschiedensten Länder während der Ferien zu gemeinsamer Arbeit zusammenzuführen) ausschließlich in Esperanto abhalten zu lassen. Es war ein überwältigender Eindruck, die Hörsäle dicht gefüllt mit mehr als 30 Nationen angehörenden Hörern zu sehen und von der Lehrkanzel bald einen Engländer,, bald einen Deutschen, hier einen Franzosen, hier einen Holländer, einen Spanier, sogar einen chinesischen Professor in einer einheitlichen Sprache, in Esperanto, vortragen zu hören. Zum ersten Male auch bezüglich der Sprache eine wahrhaft internationale Universität. Man wird vielleicht unter den vielfachen offiziellen Erfolgen des Esperanto und unter den Beweisen seiner Nützlichkeit einen vermissen und das ist der Gebrauch und die Anwendung ides Esperanto als Vermittlungssprache unter den vielen internationalen humanitären Orden, ethischen Gesellschaften und pazifistischen Organisationen. Aber gerade hier sind die Erfolge gegen die Erwartungen zurückgeblieben. Zwar hat der internationale Versöhnungsbu-nd die Esperantosache zu der seinigen gemacht, auch hat der XIV. internationale Pazifistenkongreß in einer Resolution die Förderung des Esperantounterrichtes in allen Schulen