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B'nai B'rith · 1926-03-01 · 3 (3.1926) · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
3 (3.1926)
Date
1926-03-01
Page
Seite 66 (sequence 10)
Language
German
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66 liehen, auch in den klassizistischen Stilen, wie. häufig in Amerika, als Nachahmung dorischer Tempel. Und will man dieser Nachahmung der kirchlichen Stile entgehen, so nimmt man als Vorbild den arabischmaurischen der einstmaligen spanischen Synagogen. Wenn nun — wie ich früher erwähnte — dieser Stil in Spanien zu seiner Zeit volle Berechtigung hatte, so kann die Anwendung in unseren Gegenden und in diesen Jahrhunderten ebenso als Mißgriff bezeichnet werden. Denn die Leichtigkeit, die Zierlichkeit und die Buntheit seiner Architekturelemente wirken für unsere Gegenden und für unsere Tradition ebenso konstruiert wie die christlichen Stile. Zu alldem kommt nun auch das Äußere der Tempel, um repräsentativ zu wirken und um sich aus der Umgebung herauszuheben. Alle möglichen Architekturelemente, die bei Synagogen als Fremdkörper erscheinen müssen, werden nun angebracht, so Türme und chorartige Anlagen mit Apsis; kurz man sucht auch nach Außen hin möglichst kirchenartig zu wirken und es geschieht häufig, daß. wenn wir das Äußere einer Synagoge nicht aus nächster Nähe betrachten und das Schild Davids nicht herausfinden können, wir nicht sofort im Klaren darüber sind, ob es sich um eine Synagoge oder um eine Kirche handelt. All diese Tatsachen habe ich nicht etwa aufgezählt, um als Kritiker oder Tadler hier aufzutreten. Diese Synagogen sind ebenso ein Abbild des Judentums aus unseren Tagen, wie die mittelalterlichen Synagogen uns ein Bild des jüdischen Lebens der damaligen Zeit geben. So wie das Judentum in der Zeit nach den 48er Jahren immer mehr und mehr verflacht und seinen lebendigen Zusammenhang mit de«i Judentum seiner Väter verliert, meist nur noch aus einer gewissen Pietät besteht und jede lebendige Schöpferkraft fast verloren zu haben scheint, so sind eben auoh seine Synagogen leere Repräsentationsbauten, die groß und prunkvoll nach außen wirken sollen. Und in dem Maße, als die äußere Repräsentation und die Prächtigkeit der Ausschmückung steigt, nimmt förmlich die Liebe und das Interesse an all dem ab, wozu sonst Synagogen da waren: am Gottesdienste selbst. Es ist merkwürdig — und der berühmte deutsche Kunsthistoriker Kornelius Gurlitt schreibt mit feiner Ironie in seiner Architektur- Geschichte auch darüber —, daß gerade zwei jüdische Architekten im Vorstande der Wiener Kultusgemeinde es sich erlauben dürften, diese christlichen Stile in der Architektur der jüdischen Tempel anzuwenden. Es waren dies die Bauräte S t i a s s n y und Fleischer, beide Schüler des Wiener Dombaumeisters Schmidt. Fleischer, der besondereine ganze Reihe Tempel in Backstein-Gotik, also in einem nordischen Stile, der uns am fernsten liegt, projektierte (in Böhmen ist, so viel ich weiß, der B u d w e i s e r Tempel von ihm), ging sogar so weit, daßer auf dem Altarvorhang einer Wiener Synagoge ein ganz richtiges Ornament aus Kreuzen aussticken ließ. Es gibt auch aus diesen Zeiten Synagogen von bleibende m k ü n s 11 e r i s c h e m Werte, z. B. den Tempel in Dresden von Gottlieb Semper, den Türkischen Tempel in Wien von Förster, aus früheren Zeiten noch die wundervolle, im Grundriß eliptisohe Seiten-

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