B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 3 (3.1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 67 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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67 stätten-rfynagoge in Wien von Kornhäusel, die damals ajber noch keine Fassade auf die Straße haben durfte, sondern mit einer profanen Wohnhaus-Fassade kaschiert wurde. Erst die Bewegung, die als Renaissance ins heutige Judentum eindrang, brachte eine Besserung in der Architektur der neu zu erbauenden Synagogen mit sich. Wenn auch in dieser Zeit ein starkes Bedürfnis nach sakralen Bauten — wie überall in Europa — nicht gerade vorhanden ist. so muß doch gesagt werden, daß das nun wiederum neuauferstandene Interesse der Juden für alles Jüdische, für Hebräisch und alle seine Aus drucksformen, einen Wandel auch in der Architektur der Synagogen herbeigeführt hat. Es wird nun nicht mehr ziellos in den applizierten Stilen der christlichen Kirchen gebaut, denn man wird mit den jüdischen Symbolen wieder vertrauter, die jüdisdhe Altertumsforschung bringt neue Resultate, die von den Juden mit größtem Interesse verfolgt werden, die bildlichen Symbole des Judentums, früher Formen, deren Inhalt sich verloren hatte, finden wieder Verständnis, ihre Beziehungen zur Vergangenheit wurden von neuem erkannt und bekommen Kraft für die Zukunft. All diese Momente bringen in die Architektur der Synagogen wieder Lebendigkeit, die hebräische Quadratschrift kommt als Ornament zu ihrer malerischen Wirkung, kurz, es ist wieder Interesse und der Wille, architektonisch auszudrücken, daß Tradition und neues Leben zusammen die Möglichkeit einer neuen künstlerischen Forin herbeiführen können. Die Synagogen der Juden in Polen und der sephardisehen Juden haben eine etwas andere Entwicklung genommen; nur kurz sei erwähnt, daß im Zusammenhange mit dem Chassidisnius in Polen auch die dortigen „Schuls" davon beeinflußt werden. Es kommt in den ehassidischen Gegenden Galiziens oft vor, daß die Wände der Synagogen sehr schön mit allerlei Landschaften a fresco bemalt sind, mit Tiergestalten, mit Motiven aus dem Garten Eden, von Tempel Salomos usw., was für uns gewiß ein ungewohnter Anblick ist. Zum Schlüsse will ich noch eine Art von Tempeln erwähnen, die zwar nicht für jeden Juden zugänglich sind, aber in den letzten zwei Jahrzehnten eine starke ethische Wirkung ins Judentum hineingetragen haben. Es sind dies die Logen-Tempel der B'nai-B'rith-Logen. Auch sie sind in ihrem Aufbau durch Festlegung von bestimmten Riten bedingt, sowie durch die Gemeinsamkeit der Idee und der Ziele. Die gleichen Symbole aus dem Judentum und der allseitigen Menschen Verbrüderung werden überall architektonisch verwendet und die Aufgaben dieser Logen und ihre Auswirkung erfordern schon von selbst eine erhabene, gewissermaßen sakrale Architektur, und ein Werk mit Bildern aller Logentempel würde uns sinnfällig das Leben und die Entwicklung unseres Ordens veranschaulichen. Arch. Leopold Ehr mann.