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B'nai B'rith · 1926-03-01 · 3 (3.1926) · p. Seite 64

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
3 (3.1926)
Date
1926-03-01
Page
Seite 64 (sequence 8)
Language
German
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64 sind gewöhnlich zweischiff.ige, überwölbte, oft einschiffige, mit Gewölben albgeschlossene, nicht tax hohe Räume, deren Wände kahl belassen werden. Nur dort, wo das Kostbarste der Juden, die Thora, aufbewahrt wird, im Thoraschrein oder Aronhakodeseh, verschwendet der Jude alle Kunst und Pracht, geschnitzte Säulen, Rankenwerk, Löwen- und Adlermotive, hebräische Verse kunstvoll appliziert, kostbare Vorhänge, getriebene und geschmiedete Lampen, kurz die ganze Kunstfertigkeit des jüdischen Gold- und Süfeberschmiedes, Holzschnitzers, Webers und Stickers wird hier niedergelegt. Es ist noch nicht genügend gezeigt worden, wie viel naive und hochentwickelte Kunst aus Gläubigkeit und Frömmigkeit zu Ehren der Thora von Juden an diesen Stellen geschaffen wurde und wie zugleich die künstlerische Absicht voll ihren Ausdruck fand, diesem Ort seine Heiligkeit zu geben. Die P r a g e r A 11 n e u s chu 1 u nd Pinkas -S ynagog e bezeugen hier genau meine Worte. Und wenn erst in diesen mittelalterlichen Synagogen Gottesdienst abgehalten wird, ein Kolnidre - Abend, die jüdischen Männern in ihren weißen Sterfbegewändern. die Melodien des Kolnidre, da kommt die tiefe Wirkung des Gottesdienstes im gleichartigen Milieu des Tempels zur vollen Geltung, eine Wirkung, der man sich .schwer entziehen kann und die schon manchen Künstler zu Werken inspiriert hat, wie Liebermann. Menzel, Bruch. Hirschenberg. Israels. Gottlieb und verschiedene andere, eine Wirkung, die in der kalten Pracht der modernen Prunktempel nie mehr ausgelöst werden kann. Und so, wie den Mittelpunkt des Gottesdienstes die Vorlesung der Thora und der Propheten-Abschnitte bedeutete, war der geometrische Mittelpunkt des Gotteshauses der Alniemor oder Bema. ein auf mehreren Stufen erhöhtes Podium mit einem Pult für die Vorlesung der Thora, umgeben von einem kunstvoll geschnitzten Holzgitter oder von einem prächtigen, ßchmiedeisernen Gitter, manchmal sogar von einer Steinbalustrade. Über dem Alnieinor war häufig ein baldachinartiger Aufbau. Um den Almemor herum saßen dann bei einzelnen Betstühlen die Andächtigen. Diese Sitte des Almemors hat sich bis auf die Zeiten unserer Väter erhalten. Berühmte Synagogen dieser Art sind (nach Grotte) in Worms. Regensiburg. Krakau. Fürth. Eger. Posen und nicht zuletzt als eine der berühmtesten in Europa die Altneuschul in Prag, als zweischiffiger Synagogen-Typu>. die Pinkas- -Syn&goge als einschiffiger Typus. Von irgend einer Entwicklung der Architektur 'der Synagogen in diesen Jahrhunderten kann schwerlich gesprochen werden. Es konnte bei den Juden des Ghettos überhaupt zu keiner Entwicklung einer freien Kunst kommen, da sie nie die Garantie der Seßhaftigkeit hatten, und dann muß nochmals hervorgehoben werden, daß sie zur Entfaltung und Entfachung'ihrer Frömmigkeit keine Einwirkung von außen notwendig hatten, da ihr immer verwundetes Herz selbst in kahlen, kleinen, dumpfen Räumen beim Gebete ihr Inneres überquellen ließ. Sicher aber ist eines: daß in den Tempeln des Mittelalters und der darauffolgenden Jahrhunderte bis zur Zeit Moses Mendelssohns, also zur Zeit der Haskala, doch so viel an spezifisch jüdischer bildnerischer und kunstgewerblicher Tradition und auch an grundrißlichen und architektonischen Elementen, die für jüdische Tempel typisch wurden, sich an-

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